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Ein Seesack, 8 Ösen und Ich…Mein erstes Probenähen!

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DATE: 15 November, 2015
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Normalerweise bin ich ja eher der Typ der das Nähen von Kleidung vorzieht, aber man muss ja auch offen für Neues sein. Die Tasche aus Gurtband war ein Meilenstein in meiner Accessoires-Karriere und ich habe total Gefallen daran gefunden. Wie auch in Sachen Bekleidung gibt es in Punkto Taschen unendlich viele Gestaltungsmöglichkeiten.

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Vor einiger Zeit hat DaWanda einen Aufruf gestartet und zwar wurden Probenäher/innen gesucht. DaWanda hat in Kooperation mit Stoffe.de ein DIY-Kit für einen Seesack an den Start gebracht. Ich wurde durch Facebook darauf aufmerksam und musste mich sofort melden, da mich das Design des Seesacks total gepackt hat und so ein schniekes Teil schon längerer Zeit auf meiner To Do-Liste steht. Wir wissen ja mittlerweile, das ich nicht die schnellste bin bzw. immer meine Zeit brauche. 😉 Etwas später folgte die gute Nachricht und ich konnte schon bald, dass prall gefüllte Päckchen in den Händen halten. Das bedeutet für euch heute gleich zwei Premieren…ein Making of eines Seesacks und ich als Probenäherin. Dann versuche ich euch mal meine Eindrücke näher zu bringen:

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Lieferumfang:

Das DIY-Kit beinhaltet alle Materialien, die für die Verarbeitung benötigt werden. Vom Oberstoff über das Futter bis hin zur Kordel sind wirklich alle Sachen dabei. Es werden wirklich hochwertig Materialien geliefert. Besonders das Leder hat es mir angetan. Neben dem ganzen Zubehör ist auch eine ausführliche Anleitung dabei. Damit ihr einen kleinen Überblick bekommt, liste ich die Materialen für euch auf:

  • Oberstoff
  • Lederimitat
  • Futterstoff
  • Einlage
  • Nähgarn in Braun (festere Qualität) und Creme
  • Kordel
  •  Ösen & Befestigungswerkzeug
  • Schneiderkreide

Alles kam unbeschadet bei mir an, bis auf die Schneiderkreide. Diese war trotz Tütchen und Luftpolsterfolie einmal in der Mitte durchgebrochen, aber durchaus noch brauchbar. 🙂 So ein DIY-Kit ist purer Luxus, man hat auf einen Schlag alles zusammen. Und obwohl die Stoffauswahl vorgegeben ist, habt ihr immer noch eine Vielzahl an Möglichkeiten euren Seesack individuell zu gestalten. So habe ich die Möglichkeit genutzt und mein Baby draus gemacht. 🙂 Mega viele Ideen gingen mir durch den Kopf… von Applizieren bis Bedrucken war alles dabei. Letztendlich habe ich mich für etwas total Einfaches entschieden und das Beste ist ihr braucht auch keine weiteren Materialien dafür. Allein mit den enthaltenden Sachen könnt ihr den Look verändern. Das Einzige was ihr bereit stellen müsst sind eine Nähmaschine und ein Hammer.

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Zuschnitt:

Bevor es mit den Schönheitsarbeiten losgeht muss natürlich erst einmal zugeschnitten werden. Die Anleitung gibt hilfreiche Tipps in Form von Skizzen / Bildern, was Zuschnitt und Verarbeitung angeht. Zugeschnitten werden die Teile wie folgt:

  • Oberstoff: 30 x 110 cm
  • Leder: 15 x 110 cm und einen Kreis mit dem Durchmesser 35 cm
  • Futterstoff: 45 x 110 cm und einen Kreis mit dem Durchmesser 35 cm, Riemen 8 x 30 cm
  • Einlage: 30 x 110 cm

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Nachdem ich alle Teile zugeschnitten habe, ging es an das Aufpimpen. Meine Idee war, das Leder abzusteppen und dem ganzen einen minimal anderen Look zu verpassen. Dafür habe ich auf dem Lederstreifen und dem Kreis ganz leicht mit weißer Schneiderkreide senkrechte und waagerechte Linien aufgezeichnet im Abstand von 3 cm. Zum Absteppen habe ich das braune Garn gewählt. Bitte denkt daran Leder verzeiht euch wirklich nichts, daher benutzt auf jeden Fall eine Ledernadel. Volle Konzentration versteht sich von selbst. 🙂 Nach dem Steppen werdet ihr sicher bemerken, dass an der ein oder anderen Stelle noch etwa von der Kreide sichtbar ist, dafür nehmt ihr einfach einen feuchten Lappen und wischt sie vorsichtig weg.

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Wie oben erwähnt ist in dem Paket eine Anleitung enthalten, aber auch Online gibt es eine kostenlose Anleitung. Zuerst wird die Innenseite des Oberstoff mit der Einlage fixiert. Da der Seesack auch für Anfänger geeignet ist, sollte eventuell noch kurz erwähnt werden wie Vlieseline aufgebügelt wird. Die Einlage hat zwei unterschiedliche Seiten, eine glatte und eine raue Seite. Auf der rauen Seite sind kleine Pünktchen zu fühlen, diese werden auf die linke Seite des Stoffes gelegt und „verkleben“ durch Hitze und Druck, die Einlage mit dem Oberstoff.

Nun geht es endlich an die Nähmaschine, zuerst werden der Lederstreifen und der Oberstoff an der langen Kante rechts auf rechts aufeinandergelegt. An diesem Punkt habe ich gemerkt wie OldSchool ich eigentlich bin. 😀 Von diesen praktischen Wonder Clips habe ich wohl schon gehört, aber ich habe doch Stecknadeln….wofür brauche ich so olle Clips?! Genau in diesem Moment wären sie Gold wert gewesen. Was macht man also in so einem Moment, man näht einfach ohne zu stecken. Wie so oft mal wieder mehr Glück als Verstand gehabt. In der Online-Anleitung wird erwähnt, dass die Nahtzugabe von 1 cm bereits enthalten ist, in dem kleinen Heft steht davon leider nichts oder ich habe es überlesen. Das wäre aus meiner Sicht auf jeden Fall sinnvoll zu ergänzen genauso wie die empfohlene Stichbreite von 3 mm beim nähen des Leders.

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Die Nahtzugabe wird nach dem Nähen nach oben geklappt und von der rechten Seite auf dem Oberstoff abgesteppt. Der Stoffstreifen wird einmal mittig zusammengeschlagen, die kurzen Seiten bzw. hinter Mitte liegen aufeinander und werden gesteckt und gesteppt. Achtet dabei unbedingt, darauf, dass die Steppnaht und der Übergang zum Leder genau aufeinandertreffen. Nach diesem Schritt könnt ihr das Teil wenden und steppt die Ledernaht von außen knappkantig ab.

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Bevor der Boden des Seesackes eingesetzt wird muss ein kleiner Riemen für die Kordel gefertigt werden. Dafür nehmt ihr euch den Futterstreifen mit den Maßen 8 x 30 cm vor. Dieser Streifen wird zuerst einmal längs gefaltet und gebügelt. Klappt den Streifen nun wieder auf und bügelt die Längskanten zum eingebügelten Bruch, zu guter Letzt wird der Streifen noch einmal mittig in Längsrichtung gefaltet und im Anschluss wird die offene Kante wieder knappkantig abgesteppt.

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Im nächsten Schritt wird der Taschenboden einmal rundherum gesteckt/geclipt. Bevor ihr mit dem Nähen loslegt wird das Riemchen zu einer Schlaufe gelegt und mit der Schlaufe nach Innen in der Nähe der hinteren Mitte platziert. Wie weit die Schlaufe durch geschoben wird ist mal wieder Geschmackssache, sie sollte auf jeden Fall groß genug sein, dass die Kordel durchgezogen werden kann.  Falls ihr wie ich mit Nadeln arbeiten müsst, versucht so nah wie möglich an der Schnittkante zu stecken, damit lauft ihr nicht Gefahr sichtbare Löcher im Stoff zu hinterlassen. Genäht wird wieder bei einer Nahtzugabe von 1 cm. Wenn ihr alles richtig gemacht habt, befindet sich der Riemen nach dem Wenden des Beutels auf der Außenseite.

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Der Außenstoff ist somit ready und ihr könnt euch dem Futter widmen. Der „Futterbeutel“ wird nach demselben Prinzip genäht wie der Beutel aus Oberstoff. Zum Verstürzen werden die Beutel übereinander gestülpt, so dass die rechten Seiten aufeinanderliegen. Die obere Kante wird zusammengesteckt und gesteppt. Damit der Seesack im Anschluss gewendet werden kann lasst ihr eine großzügige Wendeöffnung. Einige Testerinnen haben schon erwähnt, dass der Futterbeutel etwas größer ist als der Außenbeutel. Das liegt daran, dass bei dem Außenbeutel durch das zusammennähen des Oberstoff und des Lederstreifens insgesamt 2 cm verloren gegangen sind. Ich habe mich daran nicht gestört, lieber etwas zu viel Futter bevor der Oberstoff durch zu wenig verzogen wird.

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Ösen-Verarbeitung:

Den angenehmen Teil hatte ich erledigt, aber irgendeinen Haken musste es bei der Sache noch geben. Und da war mal wieder einer meiner Erzfeinde…Ösen! Ich kann euch nicht mal erklären woran es liegt, dass ich dieser Verschluss-Methode sehr skeptisch gegenüberstehe. Liegt wahrscheinlich einzig und allein an der Tatsache, dass ich es bisher immer verkackt habe. 😀 Damit ihr die Positionen der Ösen festlegen könnt, faltet ihr die obere Kante so wie sie auch später mit der Kordel gehalten werden soll. Den Abstand der Ösen habe ich nach Gefühl ermittelt und grob abgemessen. Von der oberen Kante aus habe ich 4 cm als Abstand gewählt. .Bevor ich mich an den Seesack getraut habe, wurde erstmal fleißig an einem Probestück geübt.

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Zuerst müssen die Löcher vorgestanzt werden, dafür gibt es eine kleine Plastikscheibe und ein scharfkantiges Metallwerkzeug. Die Plastikscheibe legt ihr auf einen festen Untergrund, darüber platziert ihr den Stoff bzw. die Stelle die gestanzt werden soll. Legt nun das Metallwerkzeug auf eure Markierung und gebt ein paar Hiebe mit dem Hammer darauf. Das Löcher stanzen fand ich total unangenehm, dass dafür vorgesehene Metallteil hatte nicht dieselbe Größe wie auf den Bildern der Anleitung. Es war viel kürzer und super schwierig mit den Fingern zu halten. Vor allem, wenn man mit ordentlich Wums einen Hammer draufhaut. Das ist ganz und gar nicht schön für die Finger, bitte klärt mich auf, falls ich mich zu dusselig angestellt habe…man lernt ja nie aus! 🙂

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Und ja was soll ich sagen, das konnte natürlich noch nicht alles sein und ich habe einen weiteren Höhepunkt in meiner Fail-Karriere gelegt…trotz des genau studieren der Gebrauchsanleitung habe ich es geschafft, die Ösenteile in die falsche Halterung zu legen, was zu Folge hatte, dass sich die scharfe Kante des einen Ösenteils schön tief in das Plastik gebohrt hat. Reicht ja auch nicht, wenn man es bei der ersten Öse falsch macht, also gleich noch eine zweite hinterher…wie ihr euch vorstellen könnt sah das Plastik danach nicht mehr ganz so gut aus (siehe Bild oben 😀 ). Irgendwann habe ich den Fehler erkannt und es ging doch noch in die richtige Richtung. Das bekomme auch nur ich hin, bei einer 50/50 Chance genau das Falsche zu machen. Aber aus solchen Missgeschicken lernt man und macht es spätestens beim zweiten…ähm oder dritten Mal richtig. 😉

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Bei dieser Kombination wird das Teil mit der hohen Kante auf das Plastik gelegt und auf die gegenüberliegende Seite kommt das Gegenstück, den Stoff bzw. das Loch spannt ihr über das Teil mit der Kante, das Werkzeug wird zusammengeklappt und mit dem Hammer bearbeitet. Fertig ist die Öse! Wenn man den Dreh raushat und erstmal im Flow ist, kann das Ösen einschlagen sogar Spaß machen. Kommt natürlich immer darauf an, wie oft ihr eure Finger trefft. 😀

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Jetzt fehlt nur noch die Kordel, damit ihr den Seesack lässig über der Schulter tragen könnt. Die Kordel wird dafür durch die Ösen gefädelt, begonnen wird hinten neben der Naht. Nun noch einmal die Kordel durch den Riemen am Taschenboden ziehen und die Kordel enden fest verknoten.

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Da noch einiges an Kordel übrig war, machte ich mir Gedanken, wie ich diese noch nutzen könnte. Die Steppnaht auf dem Oberstoff hat mir nicht zu 100 % gefallen hat, deshalb war schnell klar…da muss die Kordel drüber! Es kann ja auch nicht angehen, ein Teil ohne ein paar Handstiche fertig zu stellen. 😉 Also habe ich die Kordel auf dem Oberstoff befestigt und die Enden verknotet und ausfransen lasse.

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Für alle die keine Freunde von langen Texten sind fasse ich hier die positiven/negativen Aspekte noch einmal zusammen:

Positiv

  • alle Materialien in einem Paket
  • sehr hochwertige Materialien
  • optisch sehr ansprechende Farb-/Stoffauswahl
  • gute bebilderte Anleitung

Negativ

  • fehlende Angabe zur Nahtzugabe

Der negative Punkt ist Jammern auf ganz hohem Niveau, eventuell sollten einige Sachen in der Anleitung etwas genauer erklärt werden, da der Seesack auch für Anfänger geeignet sein soll. Mein Eindruck von dem DIY-Kit ist durchweg positiv, zuerst hatte ich den Eindruck, dass der Preis eventuell etwas zu hoch ist. Nachdem ich die Materialien aber in den Händen hielt, konnte ich diese Gedanken sofort verwerfen. Es sind wirklich wertige Sachen, die berechtigterweise ihren Preis haben.

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Mein Fazit: 

Das Seesack DIY-Kit hat meine Erwartungen übertroffen, gleich alle Zutaten auf einen Schlag zu erhalten ist purer Luxus. Auch wenn man es nicht glauben mag, obwohl man weiß was einen erwartet, macht das Auspacken nicht weniger Spaß als sonst. Oft wird als Kritikpunkt genannt, dass man bei solchen Paketen nicht kreativ/individuell genug sein kann. Das halte ich für Schwachsinn, denn selbst mit den einfachsten Mitteln kann man seinen kreativen Stempel aufdrücken. Ein Punkt klingelt auch noch in meinen Ohren, von wegen erfahrene Näherinnen würden solch ein Kit nicht kaufen…warum sollten sie nicht? Weil es mehr Spaß macht stundenlang Zutaten zusammen zu suchen am besten auch noch in verschiedenen Shops kaufen zu müssen?! Nicht wirklich! Vor allem wenn man von der Stoffauswahl bzw. der Zusammenstellung begeistert ist, spricht doch genau das dafür.

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Von mir gibt es definitiv eine Kaufempfehlung! Für alle Nähbegeisterten auch ein super Geschenk-Tipp für Weihnachten. Falls ihr noch Fragen, Kritik oder Anregungen habt, immer her damit. Vielen Dank an Dawanda und Stoffe.de, dass ich das DIY-Kit für euch testen durfte, es war mir ein Fest! 🙂 Genießt alle den Rest des Sonntags…macht es euch gemütlich, die Welt da draußen ist grau und kalt genau!

Mini

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4 Comments
  • […] sehr darauf! In den nächsten Tagen geht es auch endlich wieder an die Nähmaschine, seit dem Seesack, saß ich tatsächlich nicht mehr an der Nähmaschine. Und das erzähle ich sogar mit einem guten […]

  • Lisa sagt:

    Wow, der sieht ja toll aus. Sehr gut gelungen!!!

    Alles Liebe,
    Lisa von http://www.fashiontamtam.com

  • Leni sagt:

    Die Steppungen auf dem Kunstleder gefallen mir super und auch die Kordel über der Absteppung.. die hätte mich irgendwie auch gestört, irgendwie ist das braun zu prägnant und mir wäre sie nicht knappkantig genug gewesen. Andererseits wäre ich VIEL zu faul gewesen, per Hand zu nähen, ich hasse mit Hand nähen…
    Was anderes noch: steckst du immer alles? Wir durften in der Ausbildung fast nie stecken, deshalb mach ichs eig auch nie.. über diese Wonderclips bin ich auch letztens auf irgendnem Blog gestoßen, was es nicht alles gibt .. 😀

    • Nessa sagt:

      Danke Leni!:) Puhh du fragst Sachen, ich glaube damals wurde auch immer gesagt so wenig wie möglich stecken.^^ Es kommt immer drauf an, hier im Beispiel vom Taschenboden hätte ich mich nicht ohne getraut. xD Die Wonderclips sind schon eine gute Erfindung.:)

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