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Gummizug-Verarbeitung oder wie man es besser nicht machen sollte!

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DATE: 1 November, 2015
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Bye Bye Oktober..hello November! Das Wetter macht mir echt zu schaffen in letzter Zeit, schlägt es euch auch so aufs Gemüt?! Oder sind das schon die berühmt berüchtigten „Winterdepressionen“? Aber das ist kein Wunder, die Sonne kann man nur noch von der Arbeit aus dem Fenster heraus betrachten und wenn man sich auf den Weg nach Hause macht, wird es schon wieder dunkel. Nicht nur für meine Laune nein auch für den Blog ist Licht doch so wichtig! Das bedeutet der Großteil an Arbeiten muss auf das Wochenende verlegt werden und somit konnte auch dieses Wochenende die Sonne leider nicht genossen werden. Denn damit meine Nähmaschinen mir nicht die Freundschaft kündigen, habe ich letzte Woche mit einem neuen Projekt begonnen. Eventuell habt ihr auf Instagram schon kleine Previews gesehen. Die Story trug sich folgendermaßen zu: „Es war einmal aus dem Stoffmarkt-Holland am Coupon-Stand“…okay also wie immer! 😀 Diverse Stoffe habe ich dort mitgenommen, natürlich wie immer ohne Plan was ich daraus zaubern möchte…getreu dem Motto „Erstmal haben“! Ich versuche auch schon gar nicht mehr großartig zu planen, denn wenn ich erst den Schnitt etc. vor Augen habe, finde ich selten den ultimativen Stoff. Gut möglich, dass ich in den falschen Läden/Shops suche, das kann ich nicht ausschließen. Falls ihr Tipps habt, immer her damit! So, der Stoff lag also bereit und wartete auf seinen großen Augenblick. Und tatsächlich habe ich beim blättern der Burda Style 10/2015 sofort einen Schnitt (Modell 121) entdeckt, der zu 100% passte…ein Blouson! Bevor ihr gleich anfangt zu grummeln….wie schon wieder nen Blouson….Langweilig! Das kann ich verneinen, ist es nämlich nicht. 😛 Der Schnitt geht in eine komplett andere Richtung, vom Style her gehört er definitiv in die 80er Jahre. Meiner Meinung nach eine mega Zeit für Klamotten, etwas schräg aber immer ein Statement. Nachdem ich kurz die Schnittbeschreibung überflogen habe, bestellte ich die restlichen Zutaten wie Gummibänder und Reißverschluss und schon ging es los.

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Das ganze Vorhaben stand von Anfang an scheinbar unter keinem guten Stern und hat mich ein paar Nerven gekostet. 😀 Es ging schon beim Schnitt kopieren los, na klar habe ich es erst beim Zuschnitt bemerkt…ich hatte das Vorderteil nicht richtig ausgeschnitten, sprich an der Vorderen Mitte waren einige cm zuviel. Erstmal richtig schön verzweifeln, weil der Stoff nicht reichen wird! Irgendwann habe ich es dann doch noch gerafft und konnte freudestrahlend weitermachen. Der Zuschnitt ging relativ zügig voran. In Punkto Verarbeitung möchte ich mich heute etwas kürzer fassen also sonst, viele Schritte wiederholen sich und wer will zum drölftausendsten Mal sehen wie ich eine Seitennaht schließe. 😀 Damit es für euch aber auch nicht zu öde wird schauen wir uns zumindest die Taschen- bzw. Taillendurchzug-Verarbeitung etwas genauer an.

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Wie üblich habe ich mit dem Schließen der Schulternähte begonnen. Im nächsten Schritt geht es auch schon mit der Taschenverarbeitung los, dafür müssen die Seitennähte geschlossen werden, lasst dabei den markierten Bereich für die Tasche aus/offen. Das Auseinanderbügeln im Anschluss ist eigentlich selbstverständlich, dadurch könnt ihr die Taschenbeutel besser an der jeweiligen Nahtzugabe feststecken. Der Futterbeutel wird an die Nahtzugabe des Vorderteils und der Beutel aus Oberstoff an die Nahtzugabe des Rückenteils an die vorgesehenen Markierung gesteckt (rechts auf rechts) und gesteppt.

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Je genauer ihr arbeitet umso besser werden die Taschen, haltet euch so gut wie möglich an die Markierungen. Damit ihr die Tasche nutzen könnt, muss der Beutel geschlossen werden. Dafür werden beide Teile zur vorderen Mitte gebügelt und aufeinander gesteckt. Im Idealfall steht der untere Futterbeutel nun etwas über, das ist aber normal schließlich waren beide Teile gleich groß und wurden aber an verschiedenen Stellen angenäht. Nun könnt ihr einmal um den Taschenbeutel herumsteppen, danach das Futter verschneiden und die Kanten versäubern. Natürlich könnt ihr auch alles in einem Abwasch mit der Overlock machen, aber ich glaube die Steppvariante ist etwas „haltbarer“. Kleines Good to know am Rande: Es gibt auch die Möglichkeit die Taschenbeutel erst anzusteppen und im Anschluss die Seitennaht zu schließen, da müsst ihr einfach schauen was euch besser liegt. Die Tasche ist somit fertig und wird mit einem Heftstich am Oberstoff fixiert damit sie nicht die ganze Zeit herumschlackert. 🙂

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Es geht auch direkt mit dem Gummizug im Taillenbereich weiter…Tadaddddaaa für mich mal wieder eine Premiere! Dafür muss ein Besatzstreifen gearbeitet werden, alle Maße etc. könnt ihr der Burda entnehmen. Zuerst müssen die Längskanten 1 cm eingeschlagen und gebügelt werden. Bevor ich den Streifen auf die linke Seite der Vorder- und Rückenteile gesteckt habe, dachte ich mir es wäre klug die Linien zu heften. Es soll nämlich später von rechts gesteppt werden. Das gehört nicht unbedingt zu meinen Spezialitäten, ich möchte schon gerne sehen wo und was ich absteppe.^^ Zuerst also die obere, dann die untere und zu guter Letzt die mittlere Linie gesteppt. Lief besser als erwartet, aber dann kam mein Erzfeind an die Reihe: Gummband! Ich weiß auch nicht, das Smoken war schon beim letzten Mal nicht so mein Ding und so ging ich mit Respekt an die Sache heran. Das Gummi durch den Taillendurchzug zu bekommen, war auf jeden Fall machbar und nicht so schwer wie gedacht. Um die gewünschte Länge festlegen zu können, wird auf der einen Seite das Gummiband kurz vor der Nahtzugabe festgesteppt. Jetzt zieht ihr so lang an dem Gummi bis ihr die Länge erreicht habt und steppt es wie auf der anderen Seite fest. Yeeeaaahhhyy Nessa 1 / Jacke 0! läuft bei mir, was soll jetzt noch schiefgehen?! 😀 Also habe ich mich voller Tatendrang an den Kragen bzw. den Verschluss gemacht. Und ja was soll ich sagen, man sollte sich halt nicht nie zu früh freuen! Der verdammte Kragen hat mich fast in den Wahnsinn getrieben, vom Prinzip her wusste ich was zutun war…aber ich hab es sowas von nicht umgesetzt bekommen! Ich saß hier und man hätte denken können, ich probiere das zum ersten Mal! Kurzer Hand habe ich dann entschieden, dass der Blouson ohne Kragen viel cooler aussieht! 😀 Somit mussten nur die Belege für den Halsausschnitt zusammen genäht werden und danach auch an den Halsausschnitt gesteppt werden. Damit sich die Rundung besser um den Hals legen kann, macht ihr einfach ein paar Knipse in die Nahtzugaben.

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Nach so einem Rückschlag lässt es sich echt richtig blöd arbeiten, man will einfach nur noch fertig werden! Also fix den Saum doppelt eingeschlagen und gesteppt, soweit so gut das verlief ohne Komplikationen. Beim Reißverschluss habe ich es mir etwas einfach gemacht. Die Nahtzugabe umgebügelt…Reißverschluss dahinter gesteckt und in einem Rutsch abgesteppt. Okay ein Rutsch ist gelogen, ich musste zweimal nachbessern. Die Laune hatte also ihren Höhepunkt erreicht…dachte ich bis dahin zumindest. Denn es fehlten ja noch die Ärmel! Dieser Teil ist nicht zur Nachahmung empfohlen! Das einzige was ihr hier lernen könnt, ist wie man es nicht machen sollte. 😀 Der Ärmelsaum sollte ähnlich wie im Taillenbereich gearbeitet werden, ein rechteckiges Stück Stoff das zur Hälfte gefaltet wurde. Dadurch wird die „Seitennaht“ geschlossen, aber auch nicht komplett, weil das Gummiband muss ja irgendwie durchgezogen werden. Ich habe es erfolgreich stumpf ignoriert und natürlich komplett geschlossen. Na gut, ich kann ja wieder ein Stück aufmachen, also erst einmal die mittlere Naht genäht. Kurz vorher habe ich die Ärmel geschlossen, somit konnte ich den Ärmelsaum gleich feststecken und steppen. Beim Versäubern der Nahtzugaben und nach oben bügeln, war noch alles im grünen Bereich.

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Im Nachinein Frage ich mich warum ich zu faul war eine große Sicherheitsnadel zu suchen, so verbrachte ich gefühlt Stunden damit diese blöden Gummis in den Duchzug zu knüddeln. Die Finger tun mir heute noch weh! Puhh als ich endlich Ärmeln Nr. 1 geschafft hatte, bekam ich Besuch vom Herzensmann. Ich habe mich nicht beirren lassen und mein Ding durchgezogen, im wahrsten Sinne des Wortes….Keine Panik das Gummi war noch immer wo es hingehörte. Ich habe die Enden ordentlich zusammengenäht, schön dran rum gezogen damit sich die Raffung besser verteilt. Da sehe ich meine Naht löst sich immer weiter auf. Ich Hohlbirne habe natürlich nichts verriegelt nachdem ich die Naht einfach aufgeschnibbelt habe. Es fing langsam an in mir zu Brodeln, das hat der Herzensmann natürlich bemerkt und versuchte mich zu beruhigen. Das Ende vom Lied war ein Ausraster vom feinsten mit Schreierei und dem Werfen von Gegenständen. Der Grund war, dass das Gummi nun zu eng war und mir das Blut im Arm abschnürte! 😀 Keine Sorge alle haben es unbeschadet überstanden. Das hat mir den Rest gegeben und ich habe mein Sofa ganz laut rufen hören. Aber hey ich konnte den Blouson nicht gewinnen lassen, also nochmal aufgetrennt (wobei das passierte ja schon fast von alleine :D) und bis zum Schluss durchgezogen!

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Wenn ich jetzt das Ergebnis sehe kann ich drüber schmunzeln und finde es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Das war echt seit langen mal wieder ein Projekt was meine Grenzen ausgetestet hat. Aber ich denke das kennt jeder von euch, man legt soviel Herzblut darein und dann hagelt es Klatschen…wirklich zum ausflippen manchmal. Da muss man seinen Emotionen auch mal Luft machen! Die Szene muss echt zu komisch gewesen sein. Ich mache einen auf Rumpelstilzchen vom Feinsten, das der Herzensmann sich genau in diesem Moment verdünnisiert hat muss ich glaub ich nicht erzählen. Die verrückte Alte schon wieder oder so ähnlich wird er sich gedacht haben. 😀 Ich hoffe ihr habt etwas aus diesem Blogpost mitgenommen und sei es nur was man nicht machen sollte! Falls ihr so ein paar Ausraster-Stories parat habt würde ich diese liebend gern hören. 🙂

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4 Comments
  • Silvia sagt:

    Hach ja, das kenne ich. Hatte vor kurzer Zeit das Problem mit einer Jeans. Ich passte nicht rein, habe einiges an Änderungen versucht – leider hat die Hose gewonnen ;-( Und mein Mann fragte, ob ich das Nähen verlernt hätte…
    Dein Blouson ist super geworden, toller Schnitt (hätte ich Burda gar nicht zugetraut 😉 ).
    Was ist das für ein Stoff?
    LG, Silvia

    • Nessa sagt:

      Oh nein wie schade mit der Jeans, aber manchmal soll es einfach nicht sein.^^ Da bringt es ja auch nichts sich weiter zu quälen…Da bin ich ja froh das meiner gleich den Raum verlassen hat und nicht noch nen blöden Spruch gezogen hat. 😀 Es kommt immer darauf an wie man die Schnitte umsetzt, der Stoff etc. macht einiges aus.:) Das ist total schwierig zu beschreiben… von der Oberfläche her geht es in Richtung Samt/Wildleder ist es aber nicht wirklich. War auch total Happy als ich entdeckt hatte.:)
      Liebe Grüße Vanessa

  • Fredi sagt:

    Wow, die Jacke ist meeeega geil!! Ich liebe den Stil, die weiten Ärmel… einfach nur klasse.
    Da haben sich die Strapazen gelohnt, manchmal hat man einfach einen Knoten im Kopf. Aber andere Fehler passieren auch einfach immer wieder, wo man sich fragt, wieso das jetzt schon zum unzähligsten Mal passiert ist 😀
    Aber das Ergebnis ist trotzdem super, gefällt mir sehr 🙂
    Liebe Grüße, Fredi

    • Nessa sagt:

      Danke liebe Fredi!:) Ja das stimmt, manchmal ist es wie verhext.:D Zum Glück entlohnen einen die Ergebnisse, sonst hätte ich das Nähen schon hingeschmissen.^^
      Liebe Grüße Nessa

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