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Der Cardigan und ich…Hassliebe?!

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DATE: 24 Januar, 2016
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Manchmal muss man auch ehrlich sein und sich eingestehen, wenn etwas kacke läuft :D! Und heute ist genau einer dieser Tage…bzw. am Dienstag habe ich mich nach langer Abstinenz wieder an die Nähmaschine gewagt. Ich bin ja total der Fan von Oversize Klamotten, egal in welcher Variante: Pullover, Shirt oder aber auch Strickjacken. Leider hat es die Natur nicht so gut mit mir gemeint und bei einer Größe von 1,60 Meter war Schluss, aber es könnte definitiv schlimmer sein. Ganz klar Jammern auf hohem Niveau. Alles hat seine Vor- und Nachteile, als kleiner Mensch ist ständig alles zu lang oder zu groß und die Riesen unter uns haben das Problem, dass vieles zu kurz etc. ist. So hat jeder sein Päckchen zu tragen. Nachdem meine letzte Oversize Stickjacke auch relativ weit/groß war, habe ich mich nach kurzem Zweifeln trotzdem nicht beirren lassen und mich für ein neues Modell begeistern können. Trotzdem schwirrte die Angst mit, dass es letztendlich furchtbar affig aussehen könnte. Aber dazu komme ich später… erstmal möchte ich euch ein wenig über den Schnitt erzählen, es war dieser tolle Cardigan aus der Burda Style Ausgabe 10/2014 . Ich war vom Fleck weg verliebt und wusste sofort, den muss ich nähen!

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Den passenden Stoff hatte ich auch schon Zuhause… mal wieder ein Mitbringsel vom Stoffmarkt Holland. In meinem Kopf hat die Kombination sofort Sinn gemacht, in der Realität musste ich feststellen, sieht es leider etwas anders aus. Auch ich vergreife mich mal im Material. Eigentlich gibt man es ja nicht gerne zu wenn man Fehler macht…aber ich finde auch diese Erfahrungen sollten weitergegeben werden und sei es nur damit ihr Sie nicht macht!:) Das alles klingt gerade schlimmer als es ist, der Cardigan ist auf jeden Fall tragbar. Mein Strickstoff hat eine etwas festere Qualität, was das Ergebnis verfälscht bzw. es etwas anders aussieht als in der Zeitschrift. Aber ich fange einfach mal von vorne an: Der Schnitt ist nicht, wie üblich, auf einem der Schnittbogen gedruckt, sondern muss selbst konstruiert werden. Keine Angst, hier müsst ihr keine großen Schnittkonstruktions-Skills besitzen, der Schnitt besteht nur aus 2 Teilen. Das ist einmal das Vorder- bzw. Rückenteil, welches mehr oder weniger ein großes Rechteck ist und der Ärmel, welcher einem sehr langgezogenem Trapez ähnelt. In der Burda ist eine Skizze mit allen Maßen abgebildet.

Schnitt Skizze

Damit ihr euch ungefähr vorstellen könnt wie das ganze aussieht habe ich per Inkscape eine kleines Bild gebastelt. Der Schnitt basiert auf dem Model 102 aus der Burda Style 10/2014. Für die passenden Maße zu eurer Größe könnt ihr euch über den o.a. Link die Anleitung dazu bestellen. Die Konstruktion ist super easy, leider konnte ich mir immer noch nicht wirklich vorstellen, wie der Cardigan genäht wird. Nun gut, dass wird sich nach dem Zuschnitt schon selbst erklären, hatte ich zumindest die Hoffnung. So gut wie es angefangen hat, konnte es natürlich nicht weitergehen…und ich verspreche euch von da an ging es stetig bergab! 😀

Der Zuschnitt

Der kuschelige derbe Strickstoff mit dem schönen Muster…oh prima Muster. Nicht! Also schön ist er schon aber verarbeitungstechnisch ist es immer ein kleiner Mehraufwand. Was bedeutet, dass ich mich selber so fuchsig gemacht habe, ob ich den Ärmel im richtigen oder falschen Fadenlauf zuschneiden soll?! Ich hatte den totalen Knoten im Kopf. Völlig verzweifelt versuchte ich die Jackenhälften zu stecken, obwohl ich immer noch keinen Plan hatte, wie das ganze genäht wird. Nach einem langen Kampf in meinem Kopf habe ich mich dazu entschieden beim richtigen Fadenlauf zu bleiben..allein weil der Ärmel relativ schmal geschnitten ist und ich die Dehnbarkeit des Strickstoffs ausnutzen musste. Wie fast immer wird der Stoff rechts auf rechts gelegt. Die Streifen so gut es geht aufeinander legen und damit nichts verrutscht einfach mit ein paar Stecknadeln fixieren. Da mein Stoff breit genug war, konnte ich bei doppelter Stofflage zuschneiden.

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Es wäre allerdings um einiges leichter gewesen, wenn es möglich gewesen wär auch nur irgendetwas mit Kreide zu markieren. Pustekuchen, die linke Seite vom Stoff war so angeraut, da hat man zum verrecken nichts gesehen. Waghalsig wie ich bin: Schneiderdreieck bei 1,5 cm Nahtzugabe drauf gelegt und eine Ladung Gewichte. Nicht schön aber selten und das Wichtigste, es hat halbwegs geklappt. Nachdem beide Teile zugeschnitten waren, ging es gleich an die Nähmaschine.

Die Verarbeitung:

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Der erste Schritt war für mich auch noch sehr gut nachvollziehbar, die Ärmel werden rechts auf rechts auf das Armloch am Vorder-/Rückteil gesteckt. Es wird genau von Markierung zu Markierung gesteppt, nicht mehr und auch nicht weniger. Das ist wichtig, damit ihr die überstehende Nahtzugabe vom Ärmel zurückklappen könnt, denn diese sollen im nächsten Schritt, wenn ihr die Seitennaht schließt, nicht mitgefasst werden. Somit wären wir auch schon bei der Seitennaht. Dafür wird die obere Seitennaht auf die untere Seitennaht gelegt, bzw. der Ärmel längs zur Hälfte gefaltet. Die rechte Seite befindet sich innen. So ergibt sich schon mal die spätere Ausgangsform des Ärmels. Mit Hilfe von ein paar Stecknadeln wird Seitennaht und auch schon die Ärmelnaht gesteckt. Gesteppt wird vom Ärmelansatz bis zur Markierung. Bevor die Ärmelnaht geschlossen wird, klappt ihr die Nahtzugaben des Armlochs wieder herunter und schließt im Anschluss die Längskante. Nun könnt ihr die Nahtzugaben des Armlochs, die Ärmelnaht sowie die Seitennaht zusammen versäubern und zu einer Seite bügeln.

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Ich habe mir sagen lassen, dass es bei manchem Menschen eine Sache von Sekunden ist…bei mir wurden daraus Minuten, um genau zu sein fast eine Stunde. Meine Freude endlich wieder an der Maschine zu sitzen schlug um in puren Hass! Die verdammte Overlock hat einfach keine Maschen gebildet, selbst nach unendlich vielen Einfädelversuchen ist immer wieder ein Faden gerissen. Nicht beirren lassen und einfach immer wieder neu einfädeln, irgendwann wird sie schon einsehen, dass der Fehler bei ihr liegt und aufgeben. Na gut dann halt nicht! Ich ließ meinen Agressionen freien Lauf…beschimpfe ich das olle Ding halt, wenn sie nicht macht was ich will. 😛 Und während ich meine Hasstiraden so vor mich hin murmelte wanderte mein Blick über die Fadenspannung…“Stille“ Alter wer hat die Fadenspannung verstellt (jaja wahrscheinlich ich selber), somit war das Problem in Sekunden gelöst und ich konnte weitermachen. Und ja ich habe mich im Anschluss ordentlich enschuldigt, weiß ja schließlich was sich gehört! 😉 

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Der Teil den ich verstanden hab war somit erledigt und das rätseln konnte weitergehen. Wenn ich mir im Nachhinein das Ergebnis bzw. die Bilder anschaue, erscheint es mir total plausibel. Aber was soll ich sagen..Tag des Knotens oder so und meiner war scheinbar der größte von allen. 😀 Es werden nämlich einfach die Jackenteile rechts auf rechts aufeinander gelegt, die Seitennähte treffen dabei aufeinander..and that`s it! Die Nahtzugabe wird auch hier wieder zusammen versäubert und zu einer Seite gebügelt.

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Bei den Säumen bzw. den Kanten habe ich es mir ganz einfach gemacht und nur per Overlock versäubert, dass fand ich bei dem Stil ganz passend. Vor allem hätte es zu sehr aufgetragen bei diesem Stoff, da er doch relativ dick und fest ist. Ich muss zugeben, dass mir während des Nähens immer mehr die Lust auf den Cardigan verging. Ihr kennt das bestimmt, wenn ihr bei einem Projekt total euphorisch seid, euch mega freut und sobald irgendetwas schief geht, macht die Freude sich vom Acker und man hat immer weniger Lust auf die Klamotte?! Das beste Mittel dagegen ist, das gute Stück dem Püppchen anzuziehen und zu schauen was kann ich noch rausholen.

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Je länger ich mir den Cardigan anschaue umso besser gefällt er mir, ich finde das Muster das durch den Schnitt die Richtungen ändert mega interessant.. es hat auf jeden Fall was! Man kann die Jacke in diesem Stil definitiv tragen,am besten in Kombination mit ganz enger, schwarzer, schlichter Kleidung. Aber was macht man, wenn man den Cardigan nicht so Casual tragen möchte?! Die Lösung ist ein Gürtel und ich war echt überrascht, weil dieser kleine Riemen der ganzen Jacke einen neuen Look verpasst. Klar ändert es nichts am Schnitt, er bleibt trotzdem Oversize, aber dennoch ist diese Variante etwas eleganter. Es sind manchmal die kleinen Dinge die viel bewirken.

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Wahnsinn das war viel Text und wenn nur einer bis zu Ende gelesen hat, hat es sich gelohnt! 😀 Wie ihr seht läuft bei mir auf gar keinen Fall immer alles rund und es nimmt auch Anfängern ein wenig die Angst. Irgendeine Lösung gibt es immer bzw. irgendwas kommt schon bei rum! Es lohnt sich einfach dran zu bleiben, am Schluss ist die Freude umso größer. Es kann manchmal sogar vorteilhaft sein, wenn ihr euch nicht an die Materialangaben etc haltet und euch zu ganz anderen individuellen Ergebnissen führen. Ist das gerade zu sehr Schönrederei? 😛 Mich würde eure Meinung dazu interessieren, arbeitet ihr immer genau nach Vorgabe oder testet ihr eure Grenzen aus? Danke für euren Besuch, kommt entspannt in die neue Woche und bis nächsten Sonntag.

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3 Comments
  • Julia sagt:

    Liebe Nessa,

    auf den letzten Bildern sieht der Cardigan richtig gut aus. Insbesondere die unterschiedliche Laufrichtung des Stoffes sorgt für einen spannenden Effekt. Das beim Nähen oft etwas nicht so klappt, wie gedacht, ist bei mir wirklich häufig so. Insbesondere bei Schnitten aus der Burda. Ich kann mich da kaum an ein Projekt erinnern, bei dem ich nicht noch lange Dinge verändert habe. Aber solange das Ergebnis am Ende stimmt, bin ich mit mir dann doch immer zufrieden. Ohne Herausforderung wäre das Nähen für mich glaube ich auch ein wenig langweilig.

    Liebe Grüße,

    Julia

  • Sophie sagt:

    Ein toller Post! Der gibt Mut ;D Denn ich kenne es zu gut: irgendetwas geht schief und schon fliegt das Teil entmutigt in die Ecke 😉

    Dranbleiben lohnt also!

    Und sag mal, hast du auf deinem Zuschneidetisch Kork?? Habe ich gerade entdeckt… ist das damit der Stoff beim Zuschneiden schön glatt gestrichen werden kann und nicht verrutscht? Wenn ja, wäre das ja genial!

    Liebe Grüße

    Sophie

    • Nessa sagt:

      Danke liebe Sophie:) Das kennt wahrscheinlich wirklich jeder, aber das ist ja auch die Hersusforderung selbst wenn alles mal nicht so super läuft…man findet immer eine Lösung und ist danach mega stolz auf sich.:)
      Ja genau das sind Korkplatten aus dem Baumarkt. Die habe ich mit Kleber auf eine Ikea Schreibtischplatte geklebt.:) Das mit dem Rutschen habe ich noch nie so bedacht, ist aber wirklich so..also der Stoff liegt da perfekt drauf egal welche Sorte.
      Mein Gedanke war eher, dass man darauf mit dem Kopierrädchen arbeiten kann, sei es mit dem spitzen um Schnitte zu kopieren oder das “stumpfe“ um Nahtlinien und Markierungen mit dem Kopierpapier zu übertragen.:)

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