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Mein Seeleneleben und die Briefecke

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DATE: 7 Februar, 2016
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Ich glaube so langsam komme ich in ein melancholisches Alter, ich erwische mich immer öfter dabei in Erinnerungen zu schwelgen. Das kann auf der einen Seite wunderschön sein, aber auch teilweise sehr erschreckend. 😀 Jeder ist in seinem Leben durch verschiedene Phasen gegangen, mal mit mehr und mal mit weniger Stil. Gerade wo ich endlich mal etwas Zeit für mich habe, überkommen mich Millionen von Gedanken. Ich hinterfrage mich… meine Person! Das kennt wahrscheinlich jeder, dass man Kleinigkeiten hat die einen stören…aber was ist wenn man das Gefühl bekommt sich nicht wieder zu erkennen?! Es ist schon ein wenig unangenehm, wenn man merkt, dass die Zeit und Umstände einen verändert haben. Darüber war ich mir bisher nicht wirklich im klaren. Natürlich verändert man sich mit der Zeit, was sicherlich auch gut ist. In meinem Fall bezieht es sich aber gerade auf den Stil bzw. das Äußere. Ich sehne mich ins Kindesalter zurück, damals war alles so schön unbeschwert, man hat sich über nichts Gedanken machen müssen. Es hat niemanden interessiert wenn du eine rote Leggings und ein pinkes Shirt getragen hast…wobei Moment, heute wäre man wahrscheinlich total hip damit…ColourBlocking sei Dank. 😀 Das kam aber so gut wie nie vor, denn meine Mom hat uns immer ziemlich lässig angezogen. Wahrscheinlich habe ich auch daher meinen Hang zum Ausgefallenen. 🙂 Mit der Pubertät habe ich mich dann selbst ins Aus geschossen, ich habe auch keine Ahnung was damals in mich gefahren ist. Meine Kleidung bestand hauptsächlich aus Kapuzenpullis, Jeans und zu allem Überfluss auch noch eine Cap…immer und bei jeder Gelegenheit egal ob Sommer oder Winter. Total bescheuert wenn ich jetzt darüber schreibe, aber auch das ist ein Teil von mir. Zum Glück änderte sich das relativ schnell wieder, den Jungs waren so nicht zu beeindrucken. 😀

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Es hat definitiv noch einige Jahre gedauert bis ich mich wohl gefühlt habe, ich würde sagen so ca. bis Anfang/Mitte 20. Schöne, schlichte aber auch auffällige Klamotten ließen mein Herz höher schlagen! Ich finde es erstaunlich, wie Lebenssituationen auch deinen Stil beeinflussen. Die letzten drei bis vier Jahre bin ich fast wieder in alte Verhaltensmuster zurückgefallen, aufgrund des Jobs war es nicht angemessen sich „aufzuhübschen“. Wäre in einer Praxis auch etwas überzogen gewesen, so wurde sich morgens einfach in Jeans, Pullover und dicken Schal geworfen. Ich habe absolut nichts gegen bequeme und praktische Kleidung, aber auf Dauer? Die Kleidung kann zum einen Aufschluss über unsere Stimmung geben, aber diese auch wiederum beeinflussen. Was ich mir mehr zum Vorteil machen möchte! 🙂 Back to the Roots so zu sagen, wieder mehr ausprobieren und ausgefallenen Dingen eine Chance geben…einfach wieder mehr ich sein! Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg ist das Nähen, ich möchte definitiv mehr Kleidung tragen die ich gezaubert habe. Allein das Gefühl „Wow das hast du gemacht“ gibt ein Selbstwertgefühl +100! Man muss nur wissen, wie man seine Atribute skillen kann. 😉

Die Verarbeitung

Ein Projekt habe ich erfolgreich abgeschlossen und dabei raus gekommen ist dieser absolut geniale Mantel! Der Schnitt ist aus der Burda Easy HW/2015. Der Mantel wird ganz unkompliziert ohne Futter gearbeitet, was ihn super einfach macht. 🙂

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Nach dem Zuschnitt müssen lediglich die Halsausschnitte, sowie die vordere Kante am Vorderteil, fixiert werden. Entgegen meiner Maße habe ich ich mich für die kleinere Größe entschieden, da Größe 36 bei Burda mir meistens zu groß ist. Dies stellte ich im Nachhinein auch als gute Idee heraus, somit musste ich nur die Ärmel kürzen und die großen Änderungen blieben aus. Wie üblich werden zuerst die Abnäher am Halsausschnitt genäht und gebügelt. Im Anschluss habe ich die Schulter und Seitennähte geschlossen. Der Korpus hat jetzt die Ausgangsform, hier könnt ihr grob den Sitz und die Form überprüfen. Da der Mantel wie erwähnt ohne Futter ist, wird mit Belegen gearbeitet.

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Dafür werden die vorderen Belege an die rückwärtigen Belege genäht und danach das ganze Teil rechts auf rechts auf die vordere Kante bzw. den Halsausschnitt des Mantel gesteckt und gesteppt. Zum Ausarbeiten der Kante wird die Nahtzugabe verschnitten und im Halsausschnitt zusätzlich eingeschnitten, damit sich die Rundung besser legt. Falls ihr wie ich auch ein kleines Label habt welches ihr einarbeiten möchtet, macht dieses am besten bevor ihr den Beleg an den Mantel näht, denkt beim Positionieren an die Nahtzugabe.

Die Briefecke

Kommen wir zu meiner Lieblingsaufgabe, den Briefecken! Irgendetwas interessantes müsst ihr aus diesem Post mitnehmen können, also why not wie man Briefecken näht. Theoretisch hatte ich es auch noch im Kopf und als ich davor saß, war es weg bzw. ich hatte wieder den berühmt berüchtigten Knoten. 😀 Naja halb so wild ich weiß mir ja zu helfen, also fix in einem Buch nachgeschlagen. Das machte den Knoten allerdings nur größer, weil ich euch eigentlich gerne zeigen wollte wie ich es damals in der Ausbildung gelernt habe. Super…ich bin ja nen richtiger Held will euch etwas zeigen und weiß nicht mehr wie es geht?! Nicht mit mir, immer wieder hab ich den Stoff hin und her geklappt bis ich wieder drauf kam! Und wo das herkommt ist bestimmt noch viel mehr! 😀

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Eigentlich ist es ganz einfach mit der Briefecke, man bügelt zuerst die Nahtzugabe des Saums um, dann schlagt ihr die vordere Kante so ein wie Sie später auch liegen soll. Steckt euch nun drei Markierungen mit Nadeln, einmal die äußere Ecke/Spitze (rechts) und jeweils eine am Beleg bzw. der Saumzugabe, wo sich die beiden Zugaben treffen. Klappt das ganze nun auseinander und legt die beiden Nadeln auf den Nahtzugaben aufeinander (rechte Stoffseite liegt innen).

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Nun müsst ihr nur noch von der einen Markierung zu anderen nähen und die Nahtzugabe knapp verschneiden. Nach dem Wenden sollte die Naht von der Ecke bis zum Treffpunkt der Nahtzugaben verlaufen. Dadurch habt ihr einen schönen Übergang zum Saum.

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Im nächsten Schritt werden die Ärmelnähte geschlossen und danach werden sie auch direkt eingesetzt. Nun fehlen noch die aufgesetzten Taschen, hier müsst ihr nur den Besatz umschlagen allerdings erst so, dass die rechten Seiten aufeinander liegen. Durch das Aufeinandersteppen der beiden Lagen, erhaltet ihr nach dem Wenden einen schön sauberen Umbruch an der oberen Kante. Im nächsten Schritt werden die restlichen Nahtzugaben umgebügelt. Für mein Gewissen habe ich bei den beiden unteren Ecken auch wieder kleine Briefecken gemacht. Die Taschen werden auf die dafür vorgesehenen Plätze gesteckt und per Hand angenäht. Die restliche Arbeit besteht nur noch aus Handstichen. Nach den Taschen habe ich die Ärmelsäume, den Mantelsaum, sowie den Beleg anstaffiert. Zum Glück habe ich langsam wieder Gefühl in den Fingern, es ist unfassbar wie oft man sich in die Finger stechen kann! 😀

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Mit dem Ergebnis bin ich mehr als zufrieden! Das macht es halt aus, wenn die Umsetzung genau so gut wird, wie die Idee die im Kopf entstanden ist. Vor allem überrascht hat mich, dass ich kaum etwas ändern musste. Ich denke der Schnitt wird noch einige Male zum Einsatz kommen, er ist einfach super zeitlos. Was sagt ihr denn zum Thema Stil bzw vielleicht habt ihr ja auch eine Meinung zum Mantel, ob dieser ein Schritt in die richtige Richtung ist?:) Bevor ich mich aber verabschiede gibt es für euch noch ein paar Tragebilder, ich weiß ja wie sehr einige es sich wünschen. 😉

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Der Selbauslöser und ich mal wieder, aber es dauert so lange bis man ein paar brauchbare Bilder im Kasten hat! Ich hoffe ihr seid von dem coolen Teil genau so begeistert wie ich. Falls ihr den Mantel näht würde ich mich freuen eure Ergebnisse zu sehen.

Mini

 

 

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5 Comments
  • Isa sagt:

    Liebe Nessa,

    Der Mantel sieht wirklich toll aus! Ich würde ihn auch gerne nähen! Könntest du mir sagen wie viel Stoff man für eine 36 etwa benötigt?? Das wäre echt toll weil hier am Sonntag Stoffmarkt ist. Ich habe das Burda Heft bestellt aber bis dahin wird es wohl nicht ankommen.
    Wäre echt super nett!!
    Viele liebe Grüße
    Isa

  • Ich finde, Du beschreibst sehr schön, wie das Nähen auch zu einem Selbstfindungsprozess beitragen kann. Ich denke, viele Nähen aus diesem Grund, sind es sich aber nicht wirklich bewusst. Nähen is auch deswegen ein sehr erfüllendes Hobby. Ich jedenfalls empfinde es so.
    Der Mantel ist sehr schön geworden. Ich mag die Schlichtheit und auch, dass man keine taillierten Mäntel braucht um weiblich zu wirken.
    In der letzten FAZ Beilage gab es eine Modestrecke, die komplett mit Handy und Selfiestick aufgenommen wurde – mal was neues und ziemlich gut gelungen. Auch eine Idee, wenn der Selbstauslöser nicht will. Und man hat immer volle Kontrolle über das Bild.
    Viele Grüße aus Berlin!

  • […] was ich in den fast 9 1/2 Stunden gezaubert habe. Und zwar wurde noch einmal der Mantel aus dem letzten Blogpost in einer Frühlingsvariante genäht. Der Stoff war wie fast immer vom Stoffmarkt Holland. Ich […]

  • […] was ich in den fast 9 1/2 Stunden gezaubert habe. Und zwar wurde noch einmal der Mantel aus dem letzten Blogpost in einer Frühlingsvariante genäht. Der Stoff war wie fast immer vom Stoffmarkt Holland. Ich […]

  • Susanne sagt:

    Mit deinem tollen Stoff sieht der Mantel so schick aus und ich finde sehr schön, dass du ihn getragen zeigst, denn das Modell sieht super an dir aus.
    LG von Susanne

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