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Eine Shorts für viele Gelegenheiten

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DATE: 3 August, 2016
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Eigentlich bin ich schon mega im Herbst-Modus und würde am liebsten nur Jacken und Mäntel nähen. Allerdings befürchte ich, dass es das noch nicht war mit dem Sommer. Und auch wenn ich bekloppt bin…bei 30 Grad einen Wollmantel nähen, ist auch für meine Verhältnisse zu crazy. 😀 Dazu kommt noch, dass ich bereits einige Schnitte kopiert habe, die dann doch eher sommer-tauglich sind und die Arbeit soll schließlich nicht um sonst gewesen sein.

Mein Schrank ist von oben bis unter vollgestopft, normalerweise darf ich mich nicht beschweren. Tu ich aber meistens doch. Mein Kleiderschrank ähnelt einem riesigen „Fundus“. Es sind Sachen dabei die ich wirklich schon etliche Jahre habe und die zum jetzigen Zeitpunkt, aber keine Sau tragen würde. 😀 Aber wartet ab in ein paar Jahren sind Sie wieder voll trendy und ich hab Sie gleich parat!

Es kommt einfach alles wieder!

Nach diesem Motte lebt es sich eigentlich ganz gut. Naja bis auf den chronischen Platzmangel halt. 😀 Es kann natürlich auch nur eine blöde Ausrede dafür sein, dass ich mich nicht von Sachen trennen kann. Geht es euch genau so? Mir fällt es teilweise wirklich schwer, obwohl ich weiß da hängen Unmengen von Sachen, die ich selten bis gar nicht trage. Aber wer weiß wann ich Sie mal brauche!

Als es die letzten Tage so warm war, ging die Suche los. Ich musste mit erschrecken feststellen, dass ich genau vier Shorts besitze. Da waren die „Sportliche“ aus Sweatstoff, die „Alltags-Shorts“ aus Jeans und die „Herbstliche“ aus Wollstoff.  Warum zum Teufel habe ich keine für den Sommer? Es gibt doch keine Jahreszeit, die besser dafür geeignet ist! Das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen, was liegt also näher als selber eine zu nähen.

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Blöderweise schwebte mir mal wieder ein bestimmter Stoff im Kopf herum. Ich nenne es jetzt einfach mal einen „sommerlichen“ Boucle, er ist relativ dünn und leicht. „Ironie on – Daraus kann man mit Sicherheit eine tolle Shorts machen, am besten sehr weit geschnitten und vielleicht sogar mit Falten – Ironie off“…döödöööödöööömmmm oder auch nicht weil ich mal wieder nur ein Stoffrest von einem Meter gekauft habe! Das mit dem „mit einem Meter Stoff auskommen“, wird langsam zur Gewohnheit. Aber genau diese selbstauferlegten Challenges lassen es nie langweilig werden.  Jetzt bitte einmal die Hände hoch, wem es genau so geht. Hab ich’s mir doch gedacht. 😀

Letztendlich habe ich mich für das Modell 114B aus der BurdaStyle 03/12 entschieden. Mir ist erst beim Schnitt kopieren aufgefallen, dass die Shorts an den Seitennähten eine Öffnung hat. Im ersten Moment, war ich etwas angesäuert, da ich doch einfach nur eine stinknormale Shorts nähen wollte. Aber je länger ich drüber nachdachte, umso besser gefiel mir der Schnitt. Diese Art von Shorts sieht man momentan überall, überwiegend ist der Übertritt dabei am rückwärtigen Teil. Bei meinem Schnitt ist es genau andersherum, dort ist der Übertritt am Vorderteil.

Ich war nicht 100% überzeugt, da der „Untertritt“ sehr kurz gehalten ist. Ich hatte ihn sogar schon entsprechend angepasst, aber dann doch wieder verworfen. But why? Es wäre definitiv eine gute Alternative gewesen, da mir die Original-Hose zu nackig war. Also mein Tipp wenn die Seitennaht offen bleiben, aber nicht zu viel Bein gezeigt werden soll: Erweitert am rückwärtigen Teil die Seitennaht, so dass der Über- und Untertritt die gleiche Länge und Form haben.

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Der Zuschnitt

Der Schnitt besteht aus drei Teilen, Vorder- und Rückenteil, sowie einem Streifen der später zum Bund verarbeitet wird. Die Nahtzugaben liegen nicht wie üblich bei 1,5 cm sondern bei 1 cm, an allen Kanten. Bei dem Streifen für das Bündchen ist die Nahtzugabe schon inklusive. Mit meinem Meter bin ich locker ausgekommen, es sind sogar noch 40 cm übrig geblieben. Da bin ich schon am überlegen, was ich noch daraus zaubern könnte. 🙂

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Die Verarbeitung

Das Nähen der Shorts ist super easy, also auch bestens für die Nähanfänger geeignet. 🙂 Im ersten Schritt werden das jeweilige Vorder- und Rückenteil rechts auf rechts aufeinander gelegt und die inneren Beinnähte gesteppt. Im Anschluss werden die Nahtzugaben zusammen versäubert und in das rückwärtige Teil gebügelt.

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Im nächsten Schritt werden die Seitennähte sowie der Saum versäubert. Nun müssen alle Kanten umgenäht werden, dafür habe ich zuerst die gerade Kante am Untertritt umgebügelt und abgesteppt. Gut, dass ich einen kleinen Denkfehler hatte und dachte es reicht wenn ich die Kanten so absteppe, wie auf dem Bild oben rechts. Pustekuchen…das war leider etwas knapp und die Nahtzugabe hätte leicht rausschauen können, falls sie mal umklappt. Also habe ich das ganze dann noch einmal füßchenbreit abgesteppt. Doppelt hält besser!

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Nach der geraden Kante ist die Seite mit der Rundung inklusive Saum dran. Damit die Rundung gut umgebügelt werden kann, habe ich einfach den Schnitt aufgelegt und den Stoff ganz vorsichtig darübergebügelt. Mit nicht allzuviel Hitze und nur wenig Dampf kann man den Schnitt danach sogar noch wiederverwenden.;D Die Seitennaht mit der Rundung wird von der Markierung bis zum anderen Ende (gerade Seitennaht) abgesteppt.

Egal ob kurzer oder verlängerter Untertritt, das Prinzip beim Schließen der Seitennaht bleibt gleich. Ich hatte die Markierungen nur auf der linken Seite mit Kreide eingezeichnet und dann aber relativ schnell gemerkt, dass es einfacher und genauer ist, wenn man die Anstoßlinie mit Heftfaden auf die rechte Seite überträgt. Von der oberen Hosenkante bis zu Markierung wird die Seitennaht nun geschlossen bzw. genauso abgesteppt wie die anderen Nähte.

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Damit die Hose endlich ihre endgültige Form bekommt, wird die vordere bzw. hintere Mitte aufeinander gesteckt und gesteppt. Die Nahtzugaben habe ich zusammengefasst versäubert und zu einer Seite gebügelt. Jetzt fehlt nur noch die Bundverarbeitung.

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Dafür nehme ich den Streifen zur Hand, falte ihn in Längsrichtung und bügele ihn gut ab (die linke Seite liegt innen). Das Ganze klappe ich wieder auf und lege die kurzen Seiten rechts auf rechts aufeinander. Nun steppe ich vom gebügelten Bruch bis zur Kante, die andere Seite bleibt wie sie ist, das ist die Öffnung durch die das Gummiband eingezogen wird. Im Anschluss habe ich den Bund (rechts auf rechts) auf die obere Hosenkante gesteckt, wichtig ist dass die Öffnung später innen liegt und auch genau auf die hintere Mitte trifft.

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Wie immer habe ich das Gummiband mit einer großen Sicherheitsnadel eingezogen und nachdem ich die richtige Größe festgelegt und auch das Gummi dementsprechend abgesteppt habe, wird die letzte Naht mit der Hand geschlossen (Matratzen-Stich). Bei der Anprobe für die Länge des Gummibandes habe ich schon gemerkt…uiuiuiui das aber luftig am Bein. 😀 An sich hätte mich das nicht gestört, aber ich fand es nicht schön, wie der Untertritt darunter herausschaute. Schweren Herzens habe ich mich dazu entschlossen, die Seitennaht komplett zu schließen.

Nur doof, dass ich ja alles schon „perfekt“ abgesteppt hatte. Ich war extrem faul und habe einfach nochmal drüber gesteppt, wenn man es nicht weiß fällt es überhaupt nicht auf. Aber man muss auch zu seinen Fehlern und Schwächen stehen!:D

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Was mich total begeistert an diesem Schnitt, ist dass er schön luftig ist…was mir persönlich im Sommer sehr wichtig ist. Es gibt nichts schlimmeres als enge Klamotten, die bei hohen Temperaturen an der Haut kleben. Die Länge finde ich perfekt, vor allem dass sie am Hintern etwas Länger ist als vorne. So muss man keine Angst haben, das man unfreiwillig etwas freilegt.

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Der Plan eine sommer-taugliche Hose zu nähen, ist auf jeden Fall aufgegangen. Ich bin absolut happy mit der Shorts, gerade weil sie im nachhinein doch vielseitiger ist als ich dachte. Sie ist sehr schön für den Alltag geeignet, besonders in Kombination mit einem lässigen Shirt und Ballerinas, Zehentrenner oder Pantoletten. Aber auch für Anlässe wo es etwas schicker sein darf, kann die Shorts sich sehen lassen. Besonders schön sind in dem Fall weich fließende Oversize-Blusen/Tuniken und hübsche Wedges oder ähnliches.

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Ich bin auf jeden Fall auf die Shorts gekommen und plane schon diverse Modelle für den Herbst/Winter. Wie steht ihr zum Thema Shorts?! Wie viele Modelle hängen bei euch im Schrank und wollt ihr euren Bestand noch erweitern? Habt eine schöne Woche! 🙂

Verlinkt: Rums

Mini

 

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1 Comment
  • Sophie sagt:

    Wie witzig! Erst gestern Abend haben wir, auf dem Bett liegend, über meinen vollen Kleiderschrank diskutiert xD Meine Aussage: „Das ist ja auch alles über Jaaaahre gesammelt. Von manchem kann ich mich einfach nicht trennen!“ Und er darauf: „Und was ist in den Kisten da oben?“ und ich: „Na da sind die Sachen aus meiner „Jugend“ drin…. Die haben emotionalen Wert, die hebe ich nur noch zur Erinnerung auf!“

    Hahaaa xD …. wie witzig! Aber mal im Ernst: Vermutlich 50% ziehen wir nie wieder an ;-D …..

    Doch diese zauberhafte Shorts wird dich noch lange begleiten! Die ist soooo schick geworden! Und sie ist so wandelbar! Geht sportlich, elegant und auch verspielt! :))

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