X

Bin ich ein Blusen-Typ? – Burda Easy H/W 2013 Mod. 5

AUTHOR:
DATE: 2 Februar, 2017
COMMENTS: 10

*Werbung*


Bluse:
(von französisch blouse), ursprüngliche Bezeichnung für einen Arbeitskittel um 1800. Lockeres Oberteil der Oberbekleidung, aus leichteren Stoffen. Spezielle Bezeichnung für die in den 1820er Jahren aufgekommene noch anliegend gearbeitete jedoch eigenständige Form des Oberteils in der Damenbekleidung, besonders für die Berufstätige Frau zum Kostüm. Typisch bis Anfang des 20. Jahrhunderts mit Stehkragen und vorderer Fältchenpartie, an der Schulter gebauschte Ärmel. Durch Einfluss der Reformationsbewegung gelockerter Schnitt, seit dem 1. Weltkrieg als Hemdbluse beliebt.

Quellenangabe: Claudia Wisniewski: Kleines Wörterbuch des Kostüms und der Mode, Reclam, 1999, S.41

Ich dachte mir ich fange den heutigen Blogpost mal etwas anders an als sonst, denn ich finde man setzt sich viel zu selten damit auseinander, welchen Ursprung unsere Kleidung eigentlich hat. Normalerweise tue ich mich mit Geschichte eher schwer, aber für Kostümgeschichte hingegegen konnte ich mich schon immer sehr begeistern, auch wenn Sie während der Ausbildung leider etwas monoton und trocken rübergebracht wurde. Frau D. falls sie das lesen, nichts für ungut ich habe trotzdem einiges mitgenommen! 🙂

Die Geschichte der Bluse verlief mal wieder ganz anders als geplant. Denn eigentlich sollte es keine Bluse werden – sondern eine Kleid! Aber ganz von vorne, denn wie immer war zuerst der Stoff da und nicht der Schnitt. 😉 Mittlerweile weißt du ja, dass ich mich ziemlich gerne spontan in Stoffe verliebe, ohne einen genauen Plan zu haben und genau so eine Liebe war der Blusen-/Hemdenstoff von Der Stoff Handel.

Zu meinem Glück fehlte nur noch der richtige Schnitt, am liebsten etwas ausgefallenes. Schnell bin ich fündig geworden in dem Zipfel-Hemdblusekleid aus der Burda Style 03/2015. Als der Stoff dann bei mir ankam, bin ich unsicher geworden, denn die Qualität war dünner und weicher als ich vermutet hatte, natürlich im positivem Sinn.

Man muss allerdings auch dazu sagen, dass ich absolut kein Blusen-Typ bin. An anderen finde ich es super schön, aber ich persönlich finde mich schnell spießig darin. Dabei schmachte ich schon ewig diesen tollen Schluppenblusen hinterher. Ich tue mich aber mit der Kombination schwer, es würde wahrscheinlich immer auf Jeans hinauslaufen, was natürlich auch sehr cool aussehen kann.

So schnell wie die Idee mit dem Zipfel Hemdblusenkleid kam, so schnell wurde Sie auch wieder verworfen. Aber was war die Alternative, darüber musste ich auch erstmal eine Nacht schlafen. Mir fallen immer tausend Dinge ein die ich nicht will, aber was ich im Endeffekt wirklich will kann ich auch nicht definieren…welcome to my world! 😀 Ich bin lange um diverse Schnitte herumgeschlichen, bis ich letztendlich bei der Burda Easy H/W 2013 hängen geblieben bin. In dieser Ausgabe gibt es nämlich ein Kleid, welches am Vorderteil auch eine Art Zipfel hat. Mit diesem Kompromiss konnte ich mich definitiv anfreunden.

Die Verarbeitung

Bevor es losging, musste wie immer der Schnitt kopiert werden und der Stoff vorgewaschen werden. An dieser Stelle habe ich einen wichtigen Tipp für dich:

Der Blusenstoff zieht sich nach dem Waschen durch die Zusammensetzung aus 87% Viskose, 13% Polyester zusammen. Damit dieser Crinkle-Effekt nicht entsteht bzw. du dir eine endlose Bügelarie sparen kannst, den Stoff am besten direkt nach dem Waschen im nassen Zustand platt bügeln.

Beim Zuschnitt habe ich mir wieder etwas mehr Zeit genommen und habe bei einfacher Stofflage zugeschnitten. Durch meine Ungeduld ist es mir leider nicht ganz gelungen, aber mit so kleinen Versätzen kann ich auf jeden Fall leben. 🙂 Kommen wir also zum eher unschönen Teil…beim Tippen dieser Zeilen merke ich gerade, wie viel momentan schief geht. Darf man sowas eigentlich erzählen, oder sollte man damit hinterm Berg halten?

Gerade ärgere ich mich ein bisschen, dass ich die missglückten Teile nicht bildlich festgehalten habe! Sowas ist ja eigentlich noch interessanter als das Endergebnis. Beim nächsten Mal (und das kommt garantiert) gibt es zumindest ein Spiegel- Selfie oder irgendwas in die Richtung. 😀

Aber weiter im Text, ich habe das Kleid in der Größe 34 genäht, das passiert eigentlich schon ganz automatisch, weil mir die 36 eigentlich immer zu groß ist. Los ging es also mit dem oberen Vorderteil, wo ich die untere Kante und die vordere Mitte (in dieser Reihenfolge) mit dem Schmalsaum-Fuß gesteppt habe. Danach wird das obere Vorderteil mit der linken Seite auf die rechte Seite des Vorderteil geheftet, damit es später beim Nähen auch mitgefasst wird. Im Anschluss habe ich die Schulternähte an der Bluse und an dem Besatz gesteppt.

Der Besatz wird rechts auf rechts auf den Halsausschnitt gesteckt, so dass die Schulternähte zusammentreffen. Da der Stoff so dünn ist habe ich mir das Verschneiden gespart und nur die Rundungen eingeschnitten.  Nach dem Wenden und Bügeln wird der Besatz dann füßchenbreit abgesteppt, damit er sich nicht wieder nach außen legen kann.

Nun war es Zeit für die linke Seitennaht am Oberteil und am Rockteil, sobald diese geschlossen waren wurde das Rockteil rechts auf rechts auf das Oberteil gesteckt und gesteppt. Die Nahtzugabe habe ich zusammengefasst versäubert, auf diese wird nämlich das Gummiband mit einem ZickZack-Stich aufgenäht. Danach konnte auch gleich die rechte Seitennaht gesteppt werden.

Voller Euphorie das alles so super läuft habe ich mich nicht mehr stoppen lassen und mich gleich an die Ärmel gemacht. Diese haben eine kleine Kellerfalte an der Armkugel, die Falten werden bis zum Faltenpfeil zugesteppt und im nächsten Schritt wieder auseinander gelegt, so dass die Faltenmitte auf die Naht trifft. Damit die Falte sich nicht wieder verschiebt einfach mit ein paar großen Stichen auf der Nahtzugabe hin und her nähen. Da ich keine Lust auf Ärmelschlitze hatte, habe ich Sie einfach weggelassen… Sie wären sicher ein total niedliches Detail gewesen, aber meine Ungeduld hat gesiegt. 😀 Also nur noch die Ärmelnähte gesteppt und im Anschluss den Ärmel eingesetzt.

Im letzten Schritt mussten nur noch die Ärmelsäume und der Saum genäht werden. Ganz brav habe ich Sie einfach umgebügelt und abgesteppt. Ich war super happy wie schnell das Kleid fertig war. Aber der beste Moment ist natürlich die Finale-Anprobe, voller Vorfreude habe ich alles von mir geworfen und das Kleid über den Kopf gezogen, als erstes waren die Arme an der Reihe – sehr gut Sie passen perfekt auch ohne Ärmelschlitz. Als die Bluse dann langsam den Oberkörper hinunter rutschte und ich gemerkt habe, dass das Gummi genau passt…war ich an diesem Punkt wo ich denke: Oh ja das wird mega. Danach griff ich an den Saum um das Kleid weiter herunter zu ziehen und genau da zerplatzen all meine Träume. Mein Hintern war zu breit für das Rockteil! 🙁

Bluse: Moments Enchanteurs

Schnittmuster: Burda Easy H/W 2013 Mod. 5

Stoff: Blusen-/Hemdenstoff Karo Glencheck Weiß

Lederimitat-Hose: H&M (Ähnlich Hier)

Pumps: Ebay (Ähnlich Hier)

Verlinkt: RUMS

Mittlerweile kann ich drüber lachen, aber in diesem Augenblick war es wie ein Schlag ins Gesicht. Mit Mühe und Not habe ich den Rock über meinen Hintern bekommen, aber das hatte dann eher was von Wurst in Pelle und so. 😀 Das Ende vom Lied war also, dass ich das Kleid kürzen musste – auf Blusen-Länge. Das ist also die Geschichte hinter meiner Bluse. Die Kombi mit der High Waist-Hose gefällt mir sehr gut und ich denke ich werde sie auch überwiegend so tragen. Ob ich nun der große Blusen- Fan werde, weiß ich noch nicht, aber ich bin auf jeden Fall nicht abgeneigt! 🙂 Nun interessiert mich aber wie du mit solchen „Missgeschicken“ umgehst? Werden solche Sachen unter den Teppich gekehrt oder sprichst du darüber? Ich wünsche dir eine schöne Restwoche und einen tollen Start ins Wochenende!


Dieser Beitrag ist in Kooperation mit der Firma Der Stoff Handel entstanden und ich habe dafür den „Blusen-/Hemdenstoff Karo Glencheck Weiß“ erhalten. Dies hatte keinen Einfluss auf meine persönliche und freie Meinung, und die Gestaltung des Beitrags wurde mir selbst überlassen.


SHARE
10 Comments
  • Mina sagt:

    Es tut mir sooo leid aber ich musste am Ende tatsächlich kurz lachen 😀
    Denn mir passiert das mit so einer Regelmäßigkeit und ich dachte schon, dass ich der einzige Mensch bin dem solche Pannen passieren 😀

    Deine gekürzte Version gefällt mir so wie du sie trägst mega und ich finde, dass muss genau so sein!
    Das Teilchen ist ein absoluter Hingucker und steht dir ganz ausgezeichnet! <3 🙂

    Und solche Pannen finde ich immer toll, sie ermutigen und ermuntern, zu mindestens geht es mir so <3 :-*

    • Nessa sagt:

      Kein Problem, ich kann das absolut nachvollziehen! Mir würde es genau so gehen. 😀 Im Nachhinein finde ich es auch immer super lustig und muss selber darüber lachen. Zumal es ja auch selbst gemachtes Leid ist, ich hätte ja auch eine Probe vorweg machen können….aber no risk no fun! 🙂 Als kleine Perfektionistin nagt sowas natürlich trotzdem an mir, aber niemand ist perfekt und es ist schön zu lesen das man nicht alleine damit ist! 🙂 <3

  • Ich finde das Ergebnis absolut genial; vielleicht hast Du mit der Bluse sogar mehr Freude als mit einem Kleid, weil sie vielseitiger einsetzbar ist…

    Die Geschichte hinter einem Kleidungsstück macht diese noch eine Spur persönlicher finde ich. Und sie preiszugeben, finde ich gut und richtig. Solche Dinge passieren uns allen. Und sie ermutigen die Unerfahrenen, weiterzumachen. Zudem entstehen aus meiner Erfahrung daraus am Ende die besten Teile… die so aussehen, als sollte es von Anfang an so sein 😉

    Beste Grüße aus Berlin
    Manu

    • Nessa sagt:

      Dankeschön Manu! 🙂 Jaa das glaube ich auch, das war einfach Schicksal! 😀 Du hast vollkommen recht, die Geschichten gehören einfach dazu. Man fühlt sich viel verbundener, weil man einfach sieht: Hey da läuft auch nicht immer alles perfekt. Und ich stimme dir zu, meistens werden genau diese Teile die Besten! 🙂
      Liebe Grüße
      Nessa

  • Fredi sagt:

    Waaaahh, ich finde das Outfit sooo mega toll! Es steht dir nicht nur 1a, der Schnitt ist auch echt ein Hingucker. Die Kellerfalte am Ärmel war Liebe auf den ersten Blick (ich meine, was für eine coole Idee) und das asymmetrische ist total schick – ich finde deine Bluse rundum super. Und wenn es nun mal kein Kleid werden sollte, umso besser als Bluse geeignet 😉
    Liebe Grüße, Fredi

    • Nessa sagt:

      Danke liebe Fredi!<3 Ja ich finde der Schnitt ist mal was anderes und die kleinen Details machen ihn aus. Letztendlich bin ich mega froh, dass ich nun eine stolze Blusen-Besitzerin bin.:)
      Liebe Grüße
      Nessa

  • Katha sagt:

    Toller Stoff!
    Habe hier einen ähnlichen, die Farben sind nur umgekehrt. Und da habe ich auch eine Bluse im Auge. 🙂
    Missgeschicke passieren doch immer wieder, und ich spreche auf jeden Fall drüber. Meist kann man im Nachhinein doch wirklich drüber lachen.
    Auf dem Blog werden sie aber höchstens mal am Rande erwähnt. Aber nicht, weil ich sie unter den Teppich kehren will, sondern schlicht und einfach, weil ich das für die Leser eher uninteressant finde.

    Liebe Grüße!

    • Nessa sagt:

      Danke Katha. 🙂 Oh ja mach das unbedingt, ich möchte die Bluse nicht mehr missen! Da stimme ich dir zu, im nachhinein ist es meistens wirklich zum lachen, aber in dem Moment bricht bei mir immer erstmal eine kleine Welt zusammen. So richtig schön Drama-Queen like. 😀 Also ich würde gerne davon lesen, gerade das macht doch erst so richtig authentisch. 🙂 Vor allem wo heutzutage doch eh alles mehr Schein als Sein ist.
      Liebe Grüße
      Nessa

  • Simone sagt:

    Wow, ich bin begeistert. Die Bluse ist toll geworden. Und die Kombi mit Lederhose ist sehr schön und vielseitig tragbar. Gefällt mir sehr gut.
    Hab einen schönen Tag. LG Simone

Schreibe einen Kommentar