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Februar-Challenge: Sag ja zu Beige! – Trenchcoat Burda Style 09/2010 Mod.113

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DATE: 16 März, 2017
COMMENTS: 12

Anfang Februar habe ich groß rum getönt, dass ich meinen ersten Monat der 12 Colours of Handmade Fashion bestreiten möchte. Heute ist es soweit und ich möchte dir mein Ergebnis zeigen, wenn auch mit leichter Verspätung. 😉 Als das Thema Beige für den Monat bekannt gegeben wurde, war eigentlich instant klar, dass es ein Trenchcoat werden muss. Wer keinen weiteren Mantel ertragen kann, klickt an dieser Stelle einfach die Backspace-Taste. 😀 Wobei ich der Meinung bin, dass es sich dennoch lohnt weiterzulesen, denn…

Mantel ist nicht gleich Mantel!

Bisher oder besser gesagt in letzter Zeit waren es überwiegend Wintermäntel, die ich hier gezeigt habe. Aber es gibt noch so viele tolle andere Möglichleiten, in Form von leichten Sommerjäckchen oder Übergangsmänteln. Letzteres habe ich so gut wie gar nicht in meinem Schrank und deshalb ist der Trenchcoat als „all time classic“ die perfekte Ergänzung. Gerade weil diese Art von Mantel so unglaublich wandelbar ist! Aber wie sieht der klassische/perfekte Trenchcoat überhaupt aus?

Der Trenchcoat (engl. trench für Graben, Schützengraben; coat für Mantel) ist ein sportlicher Mantel mit großem, hoch zu schließendem Revers, Koller, Raglanärmeln, Gürtel; orig. zweireihig und mit Schulterklappen, aus Gabardine. Ein Modell der Firma Burberry, wurde als Wettermantel für die engl. Soldaten des 1.Weltkrieg entworfen. Dadurch ist er in die Mode eingegangen und war Anfang der 1950er Jahre sehr aktuell.Der Trenchcoat gilt als „klassischer“ Wettermantel für Mann und Frau.

Quellenangabe: Claudia Wisniewski: Kleines Wörterbuch des Kostüms und der Mode, Reclam, 1999, S.259

Dieses Mal hat es mir nicht gereicht in Büchern oder per Internet zu recherchieren und ich wollte dem Trend genauer auf den Grund gehen. Es ist kein Geheimnis, dass der Trenchcoat momentan ein kleines Comeback feiert (im Grunde war er eigentlich nie weg). Ziemlich schnell war ich überfordert, denn es gab so eine unglaubliche Vielzahl an Varianten. Ich fühlte mich total erschlagen und noch schlimmer…ich war plötzlich voller Ehrfurcht! Wie konnte ich nur all die Ziernähte ausblenden?!

Nach dem ersten Schock machte ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Schnitt. Ich entschied mich dazu ein ganz klassisches Modell zu nähen, soll soviel heißen wie: Unspektakulärer Schnitt, aber hohe Anforderung an die Verarbeitung. Einfach mal wieder ein paar Skills auspacken, die man lange nicht genutzt hat. 🙂

Gesagt getan – den perfekten Schnitt habe ich bei Burda bestellt und zwar aus der Ausgabe 09/2010 Mod.113B. Das Tragebild hat mich von Anfang an begeistert, da kam leider kein anderer Schnitt heran. Außerdem konnte ich so meiner Lieblingsbeschäftigung: dem Schnitt kleben/kopieren nachgehen. Und genau dabei wäre auch schon fast das erste Missgeschick passiert. Während des Klebens fiel mir nämlich plötzlich auf, dass die Teile ganz schön groß waren und tatsächlich hatte ich den Schnitt falsch ausgedruckt! Seit dem habe auch ich damit angefangen, Kontrollkästchen auszumessen. 😀

Die Stoff-Suche gestaltete sich leider nicht weniger schwer, als die Schnitt-Recherche. Als ich schon fast alle Hoffnungen über Board geworfen hatte, machte ich die mega Entdeckung bei Alfatex. Eine wunderschöne Gabardine, sogar in meinem Wunsch-Farbton für einen unglaublichen Preis. Mit den Knöpfen hat es sich fast genau so abgespielt, nur bei Ebay. Falls die Sachen noch erhältlich sind, gibt es am Ende des Beitrags wie immer die entsprechende Verlinkung.

Zuschnitt und Verarbeitung

Gleich vorweg, die Panikmacherei war absolut unbegründet! Ich glaube ich hatte selten ein Projekt, was so problemlos von statten ging…naja nicht ganz, aber fast! Als ich im ersten Schritt die Patten für die Taschen verstürzte, lies sich noch nicht erahnen, wie viel Freude ich in den nächsten Tagen haben würde. Und das ist wirklich nicht ironisch gemeint, mit jeder Steppnaht wuchs meine Liebe zu diesem Mantel! Es hat mir soviel Spaß gemacht, wie schon lange nicht mehr. Dabei hatte ich keine großen Erwartungen, nur den Anspruch sauber zu arbeiten. 🙂

Die komplette Verarbeitung lief extrem gut, für meinen Geschmack schon zu gut. Und genau dieser Gedanken hat sich später gerächt. Ich muss dazu sagen, das waren meine ersten Knopflöcher mit der Nähmaschine,  sonst wurde per Hand,  Knopflochautomat (während der Ausbildung) gearbeitet, oder stumpf eine andere Verschlussart gewählt. Umso schöner war es für mich, als die Knopflöcher an den Patten und den Arm-/Schulterriegeln auf Anhieb geklappt haben.

Tja was soll ich sagen… bei drei Knopflöchern an der vorderen Mitte hat es dann etwas länger gedauert. Ich bin so froh, dass die Gabardine extrem dankbar war und mir das doppelt und dreifach auftrennen nicht übel genommen hat.

 Und dann war da noch das Futter bzw. der Saum. Eigentlich bin ich in der Hinsicht ja relativ geübt, allerdings hat mir die Falte den letzten Nerv geraubt. Im Futter ist die Falte nämlich nicht enthalten und ich konnte mir die ganze Zeit nicht vorstellen, wie es schlussendlich aussehen soll. Immerhin bin ich bei der Suche nach einer Lösung noch auf den schönen Mantel der lieben Stefanie von Sea of Teal aufmerksam geworden. 🙂

Meine Lösung sah wie folgt aus: Ich habe das Futter wie gewohnt verstürzt, die Wendeöffnung befand sich dabei am Saum bzw. im Bereich der Falte (natürlich groß genug, damit der Mantel gewendet werden konnte). Nach dem Wenden habe ich die „geschlossene“ Falte geheftet und im Anschluss das Futter per Hand anstaffiert. Auf Bild 4 kann man ganz gut erkennen, dass die Falte nun nicht mehr komplett aufspringen kann. Anders konnte ich es mir nicht erklären. Ich hoffe du hast einigermaßen verstanden, was ich meine. 😀

Genäht habe ich den Trenchcoat in der Größe 36 und bis auf das Kürzen der Ärmel, habe ich keine Änderungen vorgenommen. Zuerst dachte ich er könnte etwas zu weit sein. Da Oversize bei mir aber ganz gut funktioniert, habe ich mich davon nicht weiter stören lassen. Allerdings hätte ich den Gürtel noch ein ganzes Stück kürzen können, aber das ist mir erst nach dem Absteppen aufgefallen. Und somit hat die Faulheit mal wieder gesiegt!

Styling

Das Styling ist dieses Mal komplett in eine andere Richtung gegangen. Mein Plan war eigentlich einen marineblauen Mini Plissee-Tellerrock mit schöner Schluppenbluse. Der Rock war sogar vor dem Trenchcoat fertig! Da ich aber keine passende Bluse gefunden habe und selber nähen von der Zeit her zu knapp war, musste die gute alte Jeans herhalten.

Von der Idee mit der Bluse habe ich mich aber nicht abbringen lassen…denn was macht jeden Beitrag besser?! Richtig Cat-Content! Manchmal bin ich echt froh, dass ich solchen Kitsch kaufe…nicht stolz aber froh! 😀

Trenchcoat: Moments Enchanteurs

Schnittmuster: Burda Style 09/2010 Mod.113B

Stoff: Gabardine (Erhältlich bei Alfatex)

Bluse: Colloseum

Jeans: H&M (Ähnlich Hier)

Stiefeletten : Ebay

Verlinkt: Rums & 12ColoursofHandmadeFashion

Das Projekt Trenchcoat hat sich definitiv gelohnt, alleine weil es meine Liebe für schöne Verarbeitung neu entfacht hat. Wie glücklich ein paar Ziernähte machen können…verrückt! Sehr positiv muss ich an dieser Stelle auch nochmal die Burda erwähnen. Die Anleitung ist wirklich gut und sehr ausführlich geschrieben. Ich bin mega happy, dass ich durch die 12ColoursofHandmadeFashion, den Ansporn hatte das Projekt so schnell durchzuziehen. Danke liebe Selmin! 🙂

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12 Comments
  • hammer! sofort auf die to-sew liste gesetzt 🙂

  • Anna sagt:

    Hallo Nessa, wow der Trenchcoat ist dir super gut gelungen! Soo schön und sauber verarbeitet, Hut ab!!! Ich glaube, mit solchen Klassikern kann man kaum was falsch machen und du wirst sicher lange Freude an dem Mantel haben! LG Anna

  • Hallo Nessa, ich habe deine Veröffentlichung schon entgegengefiebert. Toll deine Ausführungen zum Trenchcoat. Ich hatte mich bei meinem ersten Trenchcoat auch reichlich belesen und recherchiert. Wie du auch schreibst, es gibt unzählige Arten. Ich habe damals sogar bei burberry gelunscht.
    Dir ist ein toller Trenchcoat gelungen. Ich liebe ja diese Perfektion genauso und beim Trench kann man sich wirklich gut ausleben. Hach die schönen Steppnaht 😍 Beim Futter überlege ich grad, ob du die Weite für die Falte hättest einlegen können, oder aber den Rücken (Futter) zweiteilig zuschneiden. Dann wäre das Futter zumindest nicht schon im oberen Rücken so doppelt. Hmmmm ich könnte mir die Teilung des Futterrücken gut vorstellen.
    Definitiv werden sich unsere Trenchs (okay der Trenchcoat für meine Tochter) unterscheiden. Ich habe eine andere Variante gewählt 😆 und um die Futterfalte muss ich mir keine Gedanken machen 😂
    Toll auch das du Alfatex erwähnt hast. Gabardine ist wirklich nicht leicht zu finden. Da habe ich überhaupt nicht geschaut, also gut zu Wissen.
    Ja und schlussendlich noch ein großes Kompliment für den Fotografen. Ich mag deine Fotos sehr 😄

    Schon bei deinem ersten Bild und der Erwähnung der 12 colors. ..dachte ich, war beige nicht im Februar? Na vielleicht ist er doch etwas rosè? Ganz unter dem Motto, gut Ding will Weile haben 😁

    Liebe Grüße und ein schönes Nähwochenende, das Wetter spielt uns in die Hand.
    Birgit

  • Amely sagt:

    Der Mantel ist wirklich klasse geworden! Die Nähte sind so sauber gearbeitet, da habe ich echt Respekt davor! Ich wünsche dir viel Freude beim Tragen,
    Amely

  • Liebe Nessa,

    ich bin schwer begeistert und ziehe meinen Hut!!! Absolut Klasse!

    LG Manu

  • Antje sagt:

    Der Mantel its einfach super gelungen Glueckwunsch! (p.s. wo hast du denn den suessen blusenstoff mit den kaetzchen gefunden?)

  • Stefanie sagt:

    Vielen Dank für die Erwähnung, freut mich, dass Dir mein Trenchcoat gefällt! 😉

  • Sabine Kogler sagt:

    Hi,

    vielen Dank für deinen super Bericht! Dein Trench ist unglaublich toll geworden und so schön verarbeitet! Ein echtes Meisterstück! Da hast du mir Lust gemacht auch einen zu nähen!
    Du siehst klasse aus!

    Schönen Tag!
    Sabine

  • Frieda sagt:

    Liebe Nessa, Dein Trenchcoat ist grandios! Ich geh im Kopf grad schon die diversen Schnittmuster durch, die hier in Burda- und anderen Heften und als A0-Schnitt „lauern“ und dabei wären durchaus erst einmal andere Sachen umzusetzen 😉 Ich finde den Trench einfach nur toll, auch die Farbe (zu Deinem Haar!!!) und die Gabardine und die tolle Verarbeitung! Du siehst, ich bin hin und weg. Viel Freude mit dem tollen Mantel und liebe Grüße, Frieda

  • Julia sagt:

    Liebe Nessa,
    ein toller Bericht über den Trenchcoat. Ich stehe diesem Klassiker ja immer ein wenig skeptisch gegenüber – allerdings für mich. Wir haben einander bisher nie die große Liebe erklärt. Dein Schnitt jedoch ist wirklich schön und sollte ich doch nochmal einen Trench nähen, dann würde ich den Schnitt wählen. Mit am schönsten finde ich die Falte unten, die eben nicht aufspringt. Die fiel mir schon auf noch bevor ich die Erlärung gelesen habe. Viel Spass beim Tragen.
    Liebe Grüße, Julia

    • Nessa sagt:

      Hallo Julia, vielen lieben Dank! 🙂 Im Nachhinein macht es auch Sinn mit der Falte, so hat man schließlich keine Unmengen an Stoff, die umher schlackern. Aber als ich bei der Verarbeitung so da saß, hatte ich echt ein Brett vor dem Kopf. 😀 Das Modell ist auf jeden Fall das Richtige, falls du mal einen Trenchcoat nähen möchtest! 🙂
      Liebe Grüße
      Nessa

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