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Mein Beitrag zum burda style-Talentwettbewerb Thema: „Parisan Chic“

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DATE: 27 April, 2017
COMMENTS: 10

Vor knapp 7 Wochen war es endlich wieder soweit, der 3. burda style Talentwettbewerb wurde ins Leben gerufen. Wie ich finde mit einem ganz wundervollen Thema „Parisian Chic“. Wer mich kennt weiß, dass ich einen kleinen Faible für Frankreich habe. Irgendwann im Laufe der Schulzeit und mit dem Lernen der Sprache, hat sich das so ergeben! 🙂 Unglaublich dass ich bisher nur ein einziges Mal dort war…1997! Genau vor 20 Jahren, ob das ein Zeichen ist?! Für mich stand sofort fest, dass ich am Wettbewerb teilnehmen möchte!

Also hieß es erst einmal in die Planungs- bzw. Vorbereitungsphase stürzen, die wie folgt aussah: ein bisschen im Netz gesurft und ein paar Bücher und Zeitschriften gewälzt. Akribische Recherche sieht wohl anders aus. 😀 Was dabei immer präsent war, ist natürlich das typisches Bild was so ziemlich jeder von uns im Kopf hat, sobald er an Französische Mode denkt…ein Tellerrock hier, ein Streifenrock da und um das ganze abzurunden noch eine Baskenmütze dazu. Auch ich habe diesen Style schon mal Hier verbloggt, aber eigentlich ist Frankreich noch soviel mehr!

Aber Moment, darum geht es hier doch gar nicht, oder?!

Ich möchte schließlich keine schlechte Kopie einer Französin sein, sondern ein Outfit schneidern, in welchem ich(!) mich in Paris wohlfühlen würde. Das war wohl auch der Punkt, der mich so lange hadern ließ. Möchte ich etwas ausgefallenes machen, oder etwas tragbares?! Aber ich erzähle die (lange Leidens-)Geschichte am besten von vorne.;) Super euphorisch und motiviert bin ich vor ca 6 Wochen losgezogen um Stoffe zu kaufen. Ich verliebte mich Hals über Kopf in diesen wahnsinnig schönen Bouclé und direkt daneben lag passend eine mega weich fließende Viskose in Altrose. Da war es auch schon um mich geschehen, wieder einmal hat die „Pastell-Falle“ voll zugeschlagen. Sofort schossen mir ein toller Blazer und ein luftiges Top in den Kopf. Die Kombi komplett machen sollte ein mittelblauer Jeansstoff, den ich zu einer stylischen Boyfriend-Jeans verarbeiten wollte.  Das ist mein Outfit, so sehe ich mich in Paris!

Um genau zu sein für ca. 10 Minuten, denn dann machte ich den größten Fehler, den man nur begehen kann…andere Leute nach ihrer Meinung fragen! 🙁 In Null Komma nichts wurde mein Traum-Outfit in der Luft zerrissen…“die Farben sind viel zu hell“, „du kannst doch keine Boyfriend tragen“, „das ist doch nicht Paris“. Das ist nur ein kleiner Auszug aus der allgemeinen Kritik die aufkam. 😀 An mir zweifelnd und ohne Stoff verließ ich das Geschäft. Wie deprimiert ich war muss ich nicht erwähnen oder?:/

Da die Anzahl an Geschäften in Bremen begrenzt ist und auch kein Stoffmarkt in Sicht war, begann ich den nächsten Fehler: Einen Frust-Kauf! Dieser Bouclé ging mir einfach nicht mehr aus dem Kopf, irgendetwas muss doch daraus zu machen sein und wenn es wirklich nur ein Blazer ist! Die Viskose in Altrose landete auch noch mit 2,50 m im Einkaufskorb und für untenrum gab es 5,00 m cremefarbenen Krepp. Ich hatte wirklich keinen Plan, was ich daraus machen will, aber wie so oft im Leben…erstmal haben! Manchmal fahre ich mit dieser Taktik auch erstaunlich gut, aber dieses Mal, war es echt eine dumme Idee.

Nach dem Kauf und einigen Probenäh-Versuchen später bei denen nichts geklappt hat, ach stimmt gar nicht, habe ich jetzt noch einen sehr schönen schwarz/weißen Blazer im Schrank. Ist schließlich auch wichtiger solche Teile erst fertig zu nähen, obwohl sie gar nicht für den Wettbewerb relevant sind. 😉

Entscheidungen treffen…ohne mich!

Die Tage zogen ins Land und es ging langsam auf Ostern zu. Du fragst dich jetzt sicherlich, was ich die ganze Zeit gemacht habe?! Man kann nicht behaupten, ich wäre faul gewesen, das trifft nur auf die ersten Wochen zu. 😀 Ich hatte wirklich einiges probiert, immer wieder diverse Schnitte kopiert und verändert (mal mit Keulenärmel, mal Schulterfrei), aber nichts machte mich glücklich. Entscheidungen treffen ist aber auch eine nervige Angelegenheit! Woher soll man schon wissen was gut ankommt? Dieser Satz war entscheidend, denn genau das hat mich so krass blockiert. Natürlich geht es auf der einen Seite darum, dass es anderen gefallen muss, damit sie für einen voten. Aber mich deshalb verbiegen, das geht zu weit! Nachdem ich mich davon komplett frei gemacht habe, lief alles gleich wesentlich leichter, wenn auch nicht problemlos.

Die Stoffe lagen nun bereit und einen groben Schlachtplan hatte ich mittlerweile auch! Einen Blazer/Jacke aus dem Bouclé zu nähen, dazu ein schönes Top aus der Viskose und eine Culotte oder Marlenehose aus dem Krepp. Das hätte wirklich eine schöne Kombi werden können. Manchmal trage ich so etwas ganz gerne, aber irgendwas in mir sagte, das ist too much. So würde ich nicht in Paris herumlaufen. Bei diesem Plan sollte es jetzt aber nun bleiben! Oder doch nicht?

Zuschnitt&Verarbeitung

Zuerst entschied ich mich für das Masterpiece meiner Kombi: Die Jacke…mit dieser steht und fällt das Outfit schließlich. Ich wollte den edlen Stoff mit einem modernen lässigen Schnitt vereinen, Stilbruch geht ja bekanntlich immer. 😉 Warum also nicht eine Bikerjacke im Chanel-Look nähen? Meine Wahl fiel auf die Jacke burda style 12/2009 Modell 111.

Beim Zuschnitt musste ich so sparsam wie noch nie sein, denn anstatt der angegebenen 1,90 m hatte ich nur 1,50 m. Der Fadenlauf wurde aber dennoch strickt beachtet! 😀 Damit mir der Bouclé nicht direkt nach dem Zuschnitt in den Händen zerfällt, habe ich alle Teile fixiert und versäubert, was wiederum einen schönen Nebeneffekt hatte,denn somit bekam der Stoff auch den gewünschten Stand, den so eine Jacke braucht. Die Reißverschlüsse, die ich bestellt hatte, ließen lange auf sich warten (Tja man muss auch bezahlen, dann wird die Ware auch verschickt). An diesem Punkt, habe ich langsam gemerkt, dass ich das Projekt burda style Talentwettbewerb systematisch selbst boykottiere! Ohne Reißverschluss konnte/wollte ich nicht anfangen. Immerhin habe ich in der Wartezeit das Futter zugeschnitten und komplett zusammengenäht und mich an die beiden anderen Teile gewagt.

Damit es hier nicht völlig ausartet, gibt es an dieser Stelle nur die kurze Version: Culotte aus Crepe zugeschnitten und bis auf den Bund fertig genäht. War sehr unvorteilhaft und der Stoff nicht komplett blickdicht. Sowas merke ich natürlich erst im nachhinein. Gut mache ich halt erst mit dem Top weiter. Stoff noch viel durchsichtiger, Vorderteil falsch zugeschnitten, beim Bügeln den Stoff verbrannt. Das ich danach bedient war, ist glaube ich verständlich oder? 😀 Beides ist schließlich in der Ecke gelandet und ich wollte nichts mehr davon wissen.

Allgemein fehlte mir plötzlich irgendwie der Kontrast bei dem Outfit. Na komm Nessa, ein letztes mal alles über den Haufen werfen! Alle guten Dinge sind schließlich drei. Ich war also wieder bei Null, naja immerhin hatte ich eine zugeschnittene Jacke rumliegen (bei der ich mir auch nicht 100% sicher war, ob sie was wird).

Bevor ich mich am nächsten Tag wieder auf machte zum Stoffe shoppen, wollte ich dieses Mal wirklich vorbereitet sein und wissen, was ich nähe! Da wirklich nicht mehr viel Zeit war, mussten es einfache Schnitte sein, die blitzschnell genäht sind. Mein selbst gebastelter Longsleeve-Schnitt kam da wie gerufen. Bei der Hose gestaltete es sich nicht ganz so einfach. Ich trauerte schließlich noch meiner Jeans hinterher, die aber absolut nicht mehr machbar gewesen wäre. 🙁 Dann mache ich doch einfach eine Jogginghose (Gummizughose-Bermudas-Shorts Nr. 6938V) aus dünnem Jeans!:D Natürlich gab es nicht was ich gesucht habe, an dieser Stelle aber noch einmal vielen lieben Dank an die nette Dame vom Alfatex! Ohne Sie wäre ich an der tollen Viskose-Mischung in Navy vorbei gelaufen. Sie haben mich sehr glücklich gemacht! <3 Mit der Viskose, weißem Jersey und ein paar Metern Kordel ging es wieder nach Hause. Am selben Abend (Donnerstag) stellte ich noch fix das Shirt her, um am nächsten Tag bereit für meine Mammut-Aufgabe (die Jacke) zu sein.

Und was soll ich sagen, endlich wurde alles gut! Keine besonderen Vorkommnisse, der Verschluss, die Taschen, alles klappte auf Anhieb. Jetzt wusste ich wohin die Reise gehen sollte, der Flow war endlich wieder da und somit auch der Spaß!:) Zu meiner Überraschung könnte ich meinen Zeitplan wirklich gut einhalten, die Jacke war am Freitagabend fertig und ich hatte theoretisch den kompletten Samstag für die Hose zur Verfügung. Obwohl ich mir sehr viel Zeit gelassen habe beim nähen, war sie erstaunlich schnell fertig. Den Schnitt kann ich dir nur wärmstens empfehlen, bei mir werden noch einige Hosen für den Sommer folgen.

Stoffe: Alfatex (Online leider nicht gefunden)

Kordel: Alfatex

Reißverschlüsse:  50 cm lang und teilbar (Hier erhältlich)

Verlinkt: Rums

Ich kann gar nicht beschreiben, was das für ein Gefühl am Samstagabend war, als ich die letzten Handstiche erledigt hatte und wirklich alles fertig war! Ich war vollkommen durch, aber auch so glücklich und erfüllt. Das war definitiv einer dieser magischen Nähmomente!

Trotz all der Schwierigkeiten, bin ich mit meinem Ergebnis totally in love! Die Mischung aus edlem Chanel-Look und lässigem Casual-Style, sind für mich die perfekte Kombination. Mein Hauptaugenmerk lag darin ein klassisches Kleidungsstück mit der Moderne zu verbinden bzw. auf meinen eigenen Typ abzustimmen. Das es letztendlich auf einen „All over- Stilbruch“ hinauslaufen würde, war sicherlich nicht geplant, aber im Nachhinein, das beste was mir passieren konnte!:)

Das ist also mein Beitrag für den burda style-Talentwettberwerb zum Thema „Parisian Chic“! Und damit Paris mich nicht so 1997-mäßig in Erinnerung behalten muss, bist nun du gefragt! Falls dir mein Outfit gefällt, würde ich mich sehr darüber freuen, wenn du Hier für mich abstimmen würdest! Einfach kurz mit Namen und Mail-Adresse anmelden, den Link in der Bestätigungsmail anklicken und schon hast du für mich gevotet. 🙂

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10 Comments
  • Elfenzwirn sagt:

    Ich liebe dein Outfit und finde, dass es wunderbar zum Thema passt 🙂
    Bei deiner Geschichte musste ich mehrmals schmunzeln, solche Situationen kenn ich sehr gut (Nicht, dass ich den Mut hätte, bei so einem Wettbewerb teilzunehmen, aber den Rest) ! Vor allem das Entscheiden müssen, ohne Garantie, dass alles gut wird….
    Liebe Grüße
    Iris

  • Julia sagt:

    Jetzt bin ich endlich dazu gekommen, Deinen Post zu lesen. Die Fotos hatte ich teilweise schon auf Instagram gesehen, und die Jacke hat mich sofort begeistert. Was bin ich froh, dass es bei mir in erreichbarer Nähe auch einen Alfatex gibt. Die Geschichte dazu liest sich wie ein Krimi, wobei ich glaube, dass schon so manche Näherin ähnliches erlebt. Wahrscheinlich kann man deshalb so gut nachfühlen, was Du da durchgemacht hast. Auf jeden Fall ist der Stilmix ganz und gar mein Ding und es passt sehr gut zu Dir. Ein tolles Outfit, ob für Paris oder sonst wo.
    Liebe Grüße, Julia

  • Sandra sagt:

    Chanel und Biker in einem, ich bin verliebt ;). Ich mag eigentlich keine Bikerjacken, aber Dein Modell würde ich vom Fleck weg tragen. Und dass Du nach all dem Frust nicht komplett aufgegeben hast, ist Dir hoch anzurechnen. Ich hab einige Ufos herumliegen (wohl eher Niefos- nie fertige Objekte), die ich aufgegeben habe, weil mir zwischendrin plötzlich das Material, der Schnitt (auch eine von den unvorteilhaften Culottes :D) oder auch nur ein Verarbeitungsdetail nicht mehr gefallen haben. Der Frust dadurch hält mich manchmal wochenlang vom Nähen ab. Zeit investiert, Geld investiert und dann doch für die Tonne. Gut zu wissen, dass es anderen genauso geht, sie aber trotzdem nicht aufgeben :)! Das motiviert mich.
    LG Sandra

  • Verrätst du mir, wo du diesen traumhaft schönen Boucle her hast? und die tollen Reißverschlüsse? die Hose ist übrigens hat absolut toll 🙂 Die passt auch einfach perfekt dazu! LG

  • Tolle Jacke, hab für dich gestimmt 🙂

    • Nessa sagt:

      Vielen lieben Dank Katharina! <3 Alle drei Stoffe habe ich bei Alfatex gekauft, bei uns in Bremen war er leider sehr schnell ausverkauft. Das weiß ich, weil ich eigentlich noch etwas nachkaufen wollte für die Jacke. Ich musste allerdings so auskommen und hat zum Glück auch geklappt. Vielleicht kann Alfatex dir ja Auskunft geben, ob sie den Stoff noch irgendwo verfügbar haben. 🙂 Die Reißverschlüsse sind von Ebay ein 3er Pack zum unglaublichen Preis. Ich hab sie nochmal am Ende des Beitrags verlinkt, wenn du sie shoppen möchtest.
      Ganz liebe Grüße
      Nessa

  • Ein wirklich tolles Outfit. Die Jacke hat es mir besonders angetan und mich direkt daran erinnert, dass ich ja auch noch einen Bouclé im Schrank habe, der mal zu einem Blazer werden sollte. Dein Schnitt gefällt mir aber noch besser als ein Blazer. Vielleicht sollte ich mich auch endlich mal an den Zuschnitt wagen 🙂
    Ich drück die die Daumen für’s Voting!
    Liebe Grüße,
    Anni

    • Nessa sagt:

      Huhu Anni, dankeschön! 🙂 Absolut das solltest du unbedingt machen! Ich finde der Schnitt ist halt auch wesentlich vielseitiger als ein Blazer. Die sind mir oft zu chic und können nicht zu jedem Anlass getragen werden, da ist so eine Bikerjacke schon breiter aufgestellt. Wenn du es angehst, sag unbedingt bescheid. Bin sehr auf das Ergebnis gespannt. 🙂
      Liebe Grüße
      Nessa

  • Wow! Was für eine Story! Chapeau für all die Zeit, all das Herzblut, dass du in dieses Projekt investiert hast!
    Und das Endergebnis ist…
    …Sorry, mir fehlen adäquate Worte um meine Begeisterung auszudrücken! Hammer, unglaublich schön, geil, extrem cool! Und definitiv à la Parisienne! Und last but not least total Nessa!
    Operation 200% geglückt!!
    Drück dir die Daumen für alles Weitere!
    Lieber Gruss
    Eveline

    • Nessa sagt:

      Wow! Chapeau, dass du sie komplett gelesen hast!;) Bei „Sorry“ ist mir dezent kurz das Herz stehen geblieben und ich dachte…okay jetzt nimmt sie mich auseinander. 😀 Aber dann so viele liebe Worte! Freut mich, dass es dir so gefällt. 🙂
      Liebe Grüße
      Nessa

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