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Selfmade Boyfriend Jeans im Destroyed-Look – burda style Nr. 6798-V

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DATE: 20 Juli, 2017
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Ich muss zugeben momentan ist es ziemlich blau-lastig auf dem Blog. Das schlimme dabei ist, es passiert völlig unbewusst. Irgendwie ist das gerade meine Farbe, jedes Mal wenn ich shoppen bin lande ich in der Ecke mit den blauen Stoffen. Sogar mein neuer Bikini ist…*große Überrachung* blau. Wenn ich darüber nachdenke, hat die Farbe blau aber schon immer einen festen Platz in meinem Leben. Denn wer mich privat kennt, weiß dass ich eine große Vorliebe für Serge de Nîmes habe.  Oder auch besser bekannt als:

Denim (nach frz. serge de Nîmes, benannt nach seinem französischem Ursprungsort) Baumwollgewebe in Köperbindung; weiße Schussfäden, meist mit (echtem oder künstlichem) Indigo blau gefärbte Kettfäden.

Quellenangabe: Claudia Wisniewski: Kleines Wörterbuch des Kostüms und der Mode, Reclam, 1999, S.76

Was viele tatsächlich nicht wissen, ist dass der Jeansstoff ursprünglich aus Frankreich kommt. Richtig bekannt wurde er allerdings erst durch Levi Strauss im 19. Jahrhundert, als daraus in den USA die ersten Arbeitshosen gefertigt wurden. Für diese Art von Kleidung war/ist natürlich eine hohe Reißfestigkeit bzw Haltbarkeit wichtig, um diese Eigenschaften zu erreichen spielen mehrere Faktoren eine Rolle, wie zum Beispiel Material, Fadendichte und Musterrapport. Denim wird üblicherweise aus Baumwolle gewebt. Sein typisches Aussehen erhält er durch die Köperbindung, man spricht auch vom Kettköper, dabei weist die Oberseite des Stoffes mehr Kettfäden (blaue Fäden) als Schussfäden (weiße Fäden) auf.

Hip teens don’t wear blue jeans – of course they do!

Bevor es aber zu sehr in die Theorie geht, wieder zurück zum Thema. Wo war ich stehen geblieben?! Ach ja, ich bin einfach durch und durch ein Jeans-Mädchen! Zu meinem Glück gibt es mittlerweile fast alles aus Jeansstoff:  Jacken und Hemden, Röcke, Kleider, Taschen. Mein „all time favorite“ ist und bleibt allerdings die Jeanshose. Man hat unendliche Möglichkeiten durch die Vielzahl an Formen und Farben. Meiner Meinung nach gibt es kein Kleidungsstück, dass sich über die Zeit hinweg solch einen Namen gemacht hat. Sie ist einfach ein Statement für sich.

Über die Jahre hat sich der Trend Skinny- bzw. Röhrenjeans ganz stark in meinem Kleiderschrank verankert. Lediglich eine Boyfriend hat es in meinen Fundus geschafft, was ich zunehmend trauriger finde, denn vom Tragegefühl her gefallen sie mir momentan wesentlich besser. Irgendwann vor ein paar Monaten kam mir dann die Idee – Warum nicht mal selber eine Jeans nähen?! Mut gemacht hat mir an dieser Stelle meinen Trenchcoat, oder sagen wir er hat mir in Erinnerung gerufen, wie viel Spaß ich an diesen komplexen Arbeiten habe. Sachen absteppen ist wie meditieren für mich, wenn ich mich nicht konzentrieren müsste…könnte ich glatt dabei einschlafen. 🙂

Den Schnitt habe ich relativ schnell gefunden, auch wenn er auf den ersten Blick nicht 100% ansprechend aussieht. Zumindest geht es mir so bei dem Beispiel mit der Knopfleiste. Ich habe mich trotzdem nicht abschrecken lassen und mein Glück probiert. Der Stoffkauf gestaltete sich dagegen etwas schwieriger, denn ich wusste sofort was ich nicht möchte und zwar ein Stoff der zu „neu“ aussieht. Wenn man nun in diversen Läden oder Shops stöbert, gibt es leider nur genau diese Jeansstoffe. Also lieber Stoffhersteller mein Tipp, macht mal richtig schöne, abgeranzte Jeansstoffe… am besten auch gleich im Destroyed-Look! 😀

Letztendlich habe ich meinen Stoff auf dem Stoffmarkt Holland an dem Jeans-Couponstand gefunden. Dort gibt es echt schöne Farben und teilweise auch mit verschiedenen Waschungen. Alle Stoffe sind dort vorgewaschen, da kann es leider auch mal der Fall sein, dass sie kleiner ausfallen als ausgeschildert. Bei meinem Stoff für die Boyfriend kam es ganz gut hin. Allerdings habe ich noch zwei weitere gekauft, die leider deutlich schmaler waren.

Da ich bei der Größe sehr unsicher war und auch sonst nichts dem Zufall überlassen wollte, habe ich vorweg eine Probe aus Nessel genäht. Das kann ich dir wirklich nur ans Herz legen, denn auch wenn eine Boyfriend vom Stil her eher weiter ist, sollte Sie am Bund bzw im Hüftbereich sitzen. Die Größe 36 hat sich dabei als fast perfekt herausgestellt, lediglich der Bund hat Hohlkreuz bedingt etwas abgestanden. Das war aber leicht zu beheben in dem ich an der hinteren Mitte und den Seitennähten insgesamt 3 cm, sprich an jeder naht 1 cm nach unten hin auslaufend weggenommen habe.

Zuschnitt und Verarbeitung

Leider habe ich vor dem Kauf nicht bedacht, dass es etwas schwierig mit dem Zuschnitt werden könnte. Man möchte schließlich, dass die Hose trotz der Waschung harmonisch aussieht. Da der Stoff aber nicht an allen Stellen, das gleiche ich nenne es mal vorsichtig „Muster“ hat, muss man etwas systematischer an die Sache herangehen. Zu meiner liebsten Beschäftigung zählt mittlerweile, alle Schnittteile einzeln zu zuschneiden – Nicht! Aber leider war es in diesem Fall nicht anders möglich. Ich hätte mir auch mehr „Muster“ auf dem rechten hinteren Hosenbein gewünscht, tja man kann nicht alles haben. Um das ganze etwas auszugleichen, habe ich einfach die Tasche mit etwas mehr Muster zugeschnitten.

Das Nähen verlief erstaunlicherweise auch sehr problemlos, trotz vieler Stofflagen. Die doppelt abgesteppten Nähte sind keine echten Kappnähte, das wollte ich mir nicht gleich beim ersten Mal antun. Bei der zweiten Hose kann man vielleicht mal darüber sprechen. 😀 Optisch macht es auf jeden Fall keinen Unterschied und es trägt sich dadurch auch nicht schlechter.

Meine Highlights waren diesmal die typischen Details, die eine Jeans wirklich ausmachen. Was so ein Knopf und ein paar Nieten ausmachen können. Als diese Dinge angebracht waren, war die Hose endlich komplett. Halt stop…schade da war ja noch was. Denn was ist essentiell für einen Knopf? Richtig… das passende Knopfloch! Das war dann dieser Moment, wo mich meine Maschine mal wieder im Stich gelassen hat. An diversen Probestücken hat Sie top Knopflöcher gezaubert, aber sobald ich die Jeans drunter gelegt habe, hat Sie ihr wahres Gesicht gezeigt. Da wurde der Stoff nicht transportiert und so weiter. Also falls jemand Knopflochpro ist, ich nehme gerne Tipps und Tricks entgegen. 😉

Das bedeutete für mich „back to the roots“, es gibt doch nicht schöneres als handgestickte Knopflöcher! Wenn man es kann stimme ich definitiv zu, aber ich war darin noch nie gut. Ich habe dann ca. eine Woche jeden Tag ein paar Knopflöcher gemacht und mein Endresultat könnt ihr nun an dieser Hose bewundern. Es ist definitiv weit entfernt von perfekt, aber die Ungeduld hat gesiegt…ich wollte endlich diese Hose tragen. 😀

Eine Kleinigkeit fehlte allerdings noch und zwar die Löcher. Schon am Anfang stand für mich fest, dass ich unbedingt diesen Destroyed-Look haben möchte. Auch hier ging wieder nichts ohne ein paar Probestücke, diese konnte ich im Anschluss auch super zum Übertragen der Größe auf die Hose legen. Du glaubst gar nicht wie mir das Herz geblutet hat, als ich in diese frisch genähte Hose geschnitten habe!

Damit bei so einem Loch schön viele weiße Schussfäden zusehen sind ist es sehr wichtig gerade zu schneiden. Natürlich musste ich es gleich beim ersten Loch an der Hose verkacken, bzw ich habe schief geschnitten und zu viele der Fäden durchtrennt. In letzter Sekunde konnte ich dem hysterischen Wutanfall entgegenwirken. Wenn ich schon so schöne Probestücke habe die perfekt ausgefranst sind, warum nähe ich sie nicht einfach hinter die Löcher?! Viele Schussfäden, wenig Haut – Problem gelöst! Dafür musste ich zwar die Seitennähte an ein paar Stellen nochmal aufmachen, aber das war es wert.:)

 Boyfriend-Jeans: Moments Enchanteurs

Schnittmuster: Jeans – Boyfriend-Style NR. 6798-V

Denim: Stoffmarkt Holland

Knopf: 8 Jeansknöpfe alt kupfer 17 mm Prym

Nieten: 24 Universal-Nieten alt kupfer 9 mm Prym

Reißverschluss: Metallreißverschluss 12 cm

Garn: Ackermann KOL. 0816 ocker / Stärke 30 / 70m

Verlinkt: Rums

Zusammenfassend kann ich nur sagen, ich bin so fucking stolz auf diese Hose! Für meine erste Jeans kann sich das Ergebnis echt sehen lassen. Den Schnitt kann ich ausnahmslos weiterempfehlen, er hat mehr Potenzial als es auf den Beispielen vermuten lässt. Ich hoffe ich konnte dir etwas Mut machen und dass die nächste Jeans nicht gekauft sonder genäht wird. Natürlich bin ich jetzt auf der Suche nach weiteren schönen Jeans-Schnitten. Erzählt mir gerne von euren Erfahrungen.

 

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18 Comments
  • Line sagt:

    Die Hose ist dir wirklich sehr gelungen.
    Weißt du zufällig aus welcher Magazin Nummer sie ist? Deine Bilder haben mich angesteckt zum nähen 🙂

  • Ela S. sagt:

    Hi! Ich kann mich all den Kommentaren nur anschließen – ganz tolle Leistung, sicher ein Stück das viel Freude bereiten wird! Respekt!

    LG Ela

  • Nora sagt:

    Ganz großes Jeans-Kino! Ich habe letztes Jahr meine erste und bislang einzige Jeans genäht und nach dieser Erfahrung kann ich mir vorstellen, wie schwer es dir gefallen sein muss, sie direkt wieder zu zerstören.

    Aber: Gerade das macht sie so unfassbar cool! Und die Idee, einfach die Probestücke einzunähen, ist auch ganz schön genial. 😀 Danke für die tolle Inspiration und auch das Mut machen, dass man sowas wirklich auch im stillen Kämmerlein zu Hause hinkriegen kann. Werde mich mal mit Bleiche und Raspel ausstatten…

    Liebe Grüße!
    Nora

  • Julia sagt:

    Hey ich kann mich da meinen Vor-Kommentatoren nur anschließen… Die Jeans ist der KNALLER!! Hätte ich es nicht gelesen, hätte ich sie glatt für gekauft gehalten. Ich war sogar bis zum Schluss gespannt, ob du vielleicht auch noch die Bluse selbst genäht hast! 🙂 Mega gelungenes Gesamtoutfit!! Und den Jeansschnitt merke ich mir direkt mal vor…
    Liebe Grüße
    Julia

  • Kathrin sagt:

    Einfach nur wow! Ich besitze eine gekaufte Destroyed Boyfriend Jeans und wurde kürzlich gefragt, ob ich die auch selbst gemacht hätte. Ich antwortete, sowas könne man nicht selber machen, zumindest nicht mit einem vertretbaren Aufwand. Verrätst du die Zahl der Arbeitsstunden, die in diese Hose geflossen sind? Tolles Knopfloch übrigens, was hast du denn daran noch auszusetzen?

    • Nessa sagt:

      Dankeschön! 🙂 Genau so habe ich auch immer reagiert. 😀 Puhh die genaue Zeit kann ich gar nicht sagen. Also der Zuschnitt hat etwas länger gedauert als sonst, wegen dem Muster bzw. weil ich alle Teile einzeln zugeschnitten habe. Das Nähen ging dann aber relativ schnell. Innerhalb von zwei Tagen hatte ich sie komplett fertig, vom Knopfloch mal abgesehen.^^ Wie viel Stunden ich am Tag gemacht habe, weiß ich leider nicht mehr. Es kam mir allerdings auch nicht wie Arbeit vor. 🙂 Naja das Knopfloch ist schon eins meiner besseren geworden, aber bei der Rundung wäre noch was gegangen. 😀

      Liebe Grüße
      Nessa

  • Katharina sagt:

    toll, bin total begeistert!! du kannst nicht zufällig noch ein tutorial für die destroyed Effekte machen? ich will das nämlich auch schon ewig tun! LG

    • Nessa sagt:

      Dankeschön liebe Katharina! Eigentlich ist das super einfach, ich werde mal sehen was sich machen lässt. 🙂

      Liebe Grüße
      Nessa

  • Hi Nessa, absolut gelungen. Einfach der Hammer, besser geht nicht. Du kannst megaaaa stolz auf dich sein. Besonders gefallen mir deine Details, dass macht die Jeans so besonders. Coole Po-Partie👌 und dein Knopfloch… Respekt! So, ich muss jetzt leider in den Pool springen ⛵🏖️🙃 Liebe Grüße Birgit

    • Nessa sagt:

      Hach Birgit jetzt habe ich ein schlechtes Gewissen, du sollst doch Urlaub machen und nicht irgendwelche Blogposts lesen! 😀 Vielen Dank für deine lieben Worte. <3 Hab noch einen traumhaften Urlaub und schwimme ein paar Bahnen für mich mit! 😀

      Liebe Grüße
      Nessa

  • Fredi sagt:

    Die Hose ist DER HAMMER! Ich liebe alle Details, den Schnitt, den Destroyed Look und besonders die Potaschen, wie cool sind die denn!? Du hast mit der Hose echt alles richtig gemacht und die Fotos sind wieder so toll 🙂
    Das Outfit ist auch klasse, die weiße Bluse passt gut zur Jeans!
    Liebe Grüße, Fredi

    • Nessa sagt:

      Ohh vielen lieben Dank Fredi!<3 Ja die Taschenform finde ich auch mega gut, allerdings bleibt ein schöner Po dabei auf der Strecke. xD Bei der nächsten werde ich mal etwas experimentieren. 🙂

      Liebe Grüße
      Nessa

  • Maira sagt:

    WOW! Ich liebe deine Jeans! Sie sieht so perfekt und cool aus! Ich habe grade bei meiner Ausbildung eine Boyfriednsjeans genäht, aber leider ohne diesem “MUster” und an die Löcher habe ich mich auch noch nicht wirklich getraut….

    Liebe Grüße maira

    • Nessa sagt:

      Dankeschön Maira!<3 Oh gibt es davon auch Bilder bei dir zu sehen? Ich komm dich gleich einfach mal besuchen. 🙂 Ich kann es definitiv nachempfinden, dass du dich nicht an die Löcher getraut hast. Es tut einem auch in der Seele weh etwas wieder kaputt zu machen, was man gerade erst mühevoll genäht hat.

      Liebe Grüße
      Nessa

  • Tüt sagt:

    Was für eine tolle Hose! Ich selbst habe bisher noch nie eine Boyfriend-Jeans besessen, überlege aber schon länger, mal welche anzuprobieren um dann sehen zu können, ob das was für mich ist. Dann würde ich auch eine nähen, hier bei dir gibt es ja einige Tipps und Tricks. Auch zum Zerstören der Jeans, das sind echt gute Hinweise. Mich nerven die einfarbigen Stoffe bei den Händlern ja auch sehr, ich bin da gedanklich schonmal Richtung Bleiche und Schmirgelpapier gegangen … vielleicht sollte ich es einfach mal austesten, dein Ergebnis macht mir Mut!

    • Nessa sagt:

      Vielen Dank für die lieben Worte! 🙂 Ausprobieren ist eine super Sache, das solltest du auf jeden Fall machen. Bevor ich den Stoff gefunden habe, bin ich auch viele Szenarien durchgegangen, wie ich den Stoff so hinbekommen könnte. Letztendlich habe ich mich dann aber doch nicht getraut, bin sehr gespannt falls du es probieren solltest! 🙂

      Liebe Grüße
      Nessa

  • Sewionista sagt:

    Wow, auf die kannst du aber auch wahnsinnig stolz sein! Gerade weil mir die Used-Effekte gefehlt hätten, habe ich bis jetzt noch keine Jeans genäht. Du zeigst aber eindrucksvoll, dass man selbst die selber hinkriegen kann. Perfekt!

    Liebe Grüße
    Julia

    • Nessa sagt:

      Danke liebe Julia!<3 Genau das war halt auch mein Gedanke, es sollte wirklich viel mehr Stoff in dieser Optik zu kaufen geben. Das wär nen riesen Geschäft glaube ich.:D

      Liebe Grüße
      Nessa

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